Als Reaktion auf die jüngste Drohung von Donald Trump hat der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un den US-Präsidenten persönlich angegriffen und angekündigt, ihn für seine Aussagen bestrafen zu wollen. "Ich werde den geisteskranken, senilen Amerikaner sicher und endgültig mit Feuer bändigen", zitiert ihn die nordkoreanische Staatsagentur KCNA. Jetzt, da der US-Präsident ihn und sein Land "vor den Augen der Welt" beleidigt habe, ziehe Nordkorea ernsthaft in Erwägung, eine "harte Gegenmaßnahme auf höchstem Niveau in der Geschichte" auszuüben.

"Ich werde ihn teuer bezahlen lassen"

Der US-Präsident hatte während seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in New York am vergangenen Dienstag damit gedroht, Nordkorea bei einem Angriff "total zu zerstören". Das Atomprogramm des Landes sei eine Gefahr für die ganze Welt. In Anspielung auf Kims Raketentests hatte Donald Trump gesagt: "Der Raketenmann ist auf einer Selbstmordmission für sich selbst und sein Regime." 

Diese martialische Tonlage griff Kim auf und sagte laut KCNA, Trumps Äußerungen seien "die grimmigste Kriegserklärung in der Geschichte". Sie hätten ihn aber nicht eingeschüchtert und würden ihn auch nicht aufhalten, betonte Kim. Er sei vielmehr überzeugt, den richtigen Pfad gewählt zu haben und dass er diesem Weg bis zum Schluss folgen müsse. "Ich werde den Mann, der die Hoheit über das Oberkommando in den USA hat, für seine Rede teuer bezahlen lassen."

Neue US-Sanktionen

Der Konflikt mit Nordkorea steht derzeit nicht nur im Zentrum der einwöchigen Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York, sondern auch vieler Beratungsrunden der internationalen Diplomatie. Nordkorea hatte die Weltgemeinschaft in den vergangenen Wochen mit einer Reihe von Raketentests sowie einem sechsten Atomwaffentest in Unruhe versetzt. Mit diesen Tests verstößt das kommunistisch regierte Land klar gegen internationales Recht, sodass der UN-Sicherheitsrat seit August zusätzliche Sanktionen beschlossen hatte. 

Am Donnerstag ordnete US-Präsident Trump weitere Strafmaßnahmen an, die darauf abzielen, jeglichen Handel mit Nordkorea zu unterbinden. Banken weltweit können künftig keine Geschäfte mehr mit dem isolierten Staat abwickeln, ohne dabei straffrei Geschäftsbeziehungen in oder mit den USA zu unterhalten. "Jede Bank steht vor einer klaren Entscheidung", sagte Trump in New York. "Geschäfte mit den USA oder Geschäfte mit Nordkorea."

Theoretische Reichweiten nordkoreanischer Raketensysteme, geschätzt und hochgerechnet

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Der US-Präsident bewertete es als großen Fortschritt, dass die chinesische Zentralbank inzwischen begonnen habe, ihre Transaktionen mit dem Nachbarland zurückzufahren. Er dankte dem chinesischen Staatschef Xi Jinping für diesen "kühnen Schritt". China spielt als der mit Abstand größte Handelspartner Nordkoreas eine Schlüsselrolle in den Bemühungen, das Land zum Einlenken zu bewegen. In New York rief der chinesische Außenminister Wang Yi die Verbündeten in Pjöngjang erneut dazu auf, das Atomprogramm aufzugeben: "Wir rufen Nordkorea dazu auf, nicht weiter in die eingeschlagene gefährliche Richtung zu gehen."

Die nordkoreanische Führung reagierte indes unbeeindruckt – und kündigte stattdessen weitere Atomtests an. In New York wurde Außenminister Ri Yong Ho auf die jüngsten Aussagen seines Machthabers angesprochen und gefragt, welche Schritte Kim konkret gemeint haben könnte. "Ich weiß nicht genau, was er vorhat", antwortete Ri laut südkoreanischer Nachrichtenagentur Yonhap. Er glaube aber, dass der Test einer Wasserstoffbombe auf dem Pazifik in Betracht gezogen werden könne. Bei diesem könne es die "stärkste Explosion einer Wasserstoffbombe" im Pazifischen Ozean geben, wurde Ri Yong Ho zitiert.