US-Präsident Donald Trump will im Konflikt um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm neue Strafmaßnahmen gegen das Land verhängen. Das kündigte der Präsident am Rande der UN-Generaldebatte in New York an. Er habe einen Erlass unterzeichnet, der Strafmaßnahmen etwa gegen die für Nordkorea wichtigen Textil-, IT- und Fischbranchen des Landes ermögliche, sagte Trump vor einem gemeinsamen Mittagessen mit Japans Ministerpräsidenten Shinzo Abe und Südkoreas Staatschef Moon Jae In.

Trump sagte, das US-Finanzministerium könne nun gegen ausländische Banken vorgehen, die in Geschäfte mit Nordkorea verwickelt seien. Der neue Erlass werde die Einnahmequellen zum Versiegen bringen, mit deren Hilfe Nordkorea "die tödlichsten der Menschheit bekannten Waffen" entwickeln wolle. Trump sagte weiter: "Ausländische Banken werden eine klare Wahl haben, ob sie mit uns Handel treiben wollen oder mit Nordkorea."

Abe und Moon begrüßten die Entscheidung Trumps. "Wir begeben uns auf eine neue Stufe des Drucks", sagte Abe. Japan unterstütze diesen Schritt "von Herzen". Auch Moon sagte, sein Land werde seine eigenen Schritte mit denen der USA eng abstimmen.

Nordkorea "vollständig zerstören"

In seiner ersten Rede vor der UN-Vollversammlung hatte Trump am Dienstag dem Iran und Nordkorea gedroht: Sollten sich die USA gezwungen sehen, müssten sie Nordkorea "vollständig zerstören". "Die Denuklearisierung ist der einzig gangbare Weg", fügte der US-Präsident hinzu. Das Regime in Pjöngjang bezeichnete er als Geißel des Planeten, Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un nannte er einen "Raketenmann auf Selbstmordmission". 

Weiter bezeichnete es Trump als "Schandtat", wenn manche Staaten weiterhin Handel mit Nordkorea betrieben. Er nannte dabei China und Russland nicht beim Namen. Ausdrücklich lobte er aber die Kooperation mit beiden Staaten bei der jüngsten Verschärfung der Nordkorea-Sanktionen durch den UN-Sicherheitsrat. Erst vor zehn Tagen hatte der UN-Sicherheitsrat als Reaktion auf einen erneuten nordkoreanischen Atomwaffentest ein neues Sanktionspaket gegen Nordkorea beschlossen. Die Resolution wurde auf Initiative der USA verabschiedet, allerdings in abgeschwächter Form.

Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho sagte zu Trumps Rede: "Falls er denkt, er kann uns mit dem Klang von Hundegekläff verängstigen, so ist das wirklich der Traum eines Hundes." Ri wurde von südkoreanischen Sendern zitiert. Auch er nimmt an der UN-Generaldebatte in New York teil. Kim Jong Un ist nicht angereist.

Nordkorea sorgt sich um das Wohl seiner Kinder

In Genf sagte derweil der nordkoreanische UN-Botschafter, die Sanktionen der internationalen Gemeinschaft würden das Leben der Kinder gefährden: "Die andauernde und bösartige Blockade und Sanktionen gegen Nordkorea behindern nicht nur die Bemühungen zum Schutz und zur Förderung der Kinderrechte. Sie sind auch eine ernste Gefahr für das Überleben der Kinder", sagte Han Tae Song. Unter anderem erschwerten die nach dem jüngsten Atomtest verschärften Strafmaßnahmen die Produktion von Nahrungsmitteln. 

Die nordkoreanische Delegation wies Vorhaltungen des UN-Ausschusses für Kinderrechte zurück, wonach es in dem abgeschotteten Land Zwangsarbeit für Kinder, sexuellen Missbrauch sowie Kinderhandel gibt. Die Delegation bestritt auch die Existenz eines Kastensystems, bei dem das Maß der Loyalität zur Herrscherfamilie von Kim Jong Un für den Zugang zu medizinischer Versorgung, Nahrung und Bildung entscheidend sei.

Südkorea will keinen Kollaps Nordkoreas

Südkoreas Präsident Moon Jae In rief Nordkorea zu einem Ende der Provokationen auf, um "auf der richtigen Seite der Geschichte" zu stehen. "Es muss sofort aufhören, leichtsinnige Entscheidungen zu treffen, die zur eigenen Isolation und zum Untergang führen könnten." Die Welt müsse "stark und entschlossen" antworten, bis Nordkorea sein Atomprogramm aufgebe. Moon dankte dem UN-Sicherheitsrat für die jüngste Verschärfung der Sanktionen gegen Pjöngjang. Dies sei ein Zeichen, dass die Weltgemeinschaft "kollektiv empört" sei.

Moon sagte weiter, sein Land sei an einem friedlichen Nebeneinander interessiert: "Wir wünschen keinen Kollaps Nordkoreas." Südkorea strebe auch keine Wiedervereinigung mit dem kommunistisch regierten Staat an. Die Regierung in Seoul und die Weltgemeinschaft unternähmen alles nur Mögliche, um den Atomkonflikt mit Nordkorea friedlich beizulegen.