Nordkoreas Diktator Kim Jong Un und seine Generalität machen unbeirrt weiter. Sie haben gerade ihre stärkste Bombe jemals gezündet, wollen laut dem südkoreanischen Verteidigungsministerium in Kürze erneut eine Interkontinentalrakete testen und ließen erst vor Kurzem ein Mittelstreckengeschoss über Japan fliegen. Aggressiv treiben sie ihr Atomprogramm voran und gehen dabei mit den Waffentests immer hart an die Grenze dessen, was die internationale Gemeinschaft aushält.

Vor allem China und Russland waren im UN-Sicherheitsrat stets zurückhaltend, wenn es um Druck auf Nordkorea ging, das mit seinem Atom- und Raketenprogramm gegen UN-Resolutionen verstößt. Sanktionen im Sicherheitsrat lehnten sie oft ab, verwässerten sie, oder stimmten zwar zu, am Ende wurden die Maßnahmen aber nicht konsequent umgesetzt. Die Vereinigten Staaten, die von Nordkorea stets namentlich bedroht und als Erzfeind behandelt werden, griffen daher zusätzlich auf unilaterale Maßnahmen gegen Nordkorea zurück, zuletzt Ende August mit sekundären Sanktionen gegen Drittländer.

Betroffen sind davon fast nur kleine Unternehmen, Banken und auch Einzelpersonen aus China, die Geschäfte mit Nordkorea machen. Die Regierung in Washington sagt, sie alle hätten damit der nordkoreanischen Rüstungsindustrie geholfen, sich mittels Exporten von Kohle und Erzen zu finanzieren. Nach dem Atomtest vom Sonntag hatte US-Präsident Donald Trump in einem seiner wutgesteuerten Tweets gedroht, sein Land erwäge jetzt, jeglichen Handel mit Ländern einzustellen, die Geschäfte mit Nordkorea betrieben.

Was Trump denkt, ist bekannt

Da über China aber 90 Prozent des nordkoreanischen Handels abgewickelt werden und über 80 Prozent des Exports von Öl und Nahrungsmitteln nach Nordkorea, ist mit Trumps Drohung auch fast ausschließlich China gemeint. Ein Stopp des Handels mit Peking wiederum wäre ein harter Einschnitt für alle: Die USA importieren Produkte im Wert von rund 40 Milliarden Dollar aus China – pro Monat. Das könnte der US-Präsident schon innenpolitisch kaum durchsetzen.

Niemand außerhalb Nordkoreas weiß genau, wie weit die Atom- und Raketentechniker Pjöngjangs mit der Waffenentwicklung wirklich sind, aber spätestens aus den letzten Tests kann man schließen, dass sie ein Niveau erreicht haben, das sie zu einer großen Gefahr nicht nur für direkte Anrainer werden lässt. Sie haben in jedem Fall Abschreckungspotenzial erlangt, und ihr bisheriges Atomprogrammm werden sie sich nicht wegverhandeln lassen.

Das hat einen Grund: Kim Jong Un will sein Regime mehr oder weniger auf ewig absichern. Kein Weg ist dafür besser, als sich Atomwaffen zu verschaffen. Auch eine Supermacht wie die USA würden bei einem militärischen Angriff die Verbündeten Südkorea und Japan unberechenbaren tödlichen Risiken aussetzen. Das zielgerichtete Testen und Zünden von Raketen und Atommaterial ist also rational. Da aber die Herrscherelite des politisch isolierten Nordkoreas fast überhaupt keine Außenkontakte mehr hat, weiß niemand, wie man dort wirklich tickt und was man dort konkret über den Umgang mit Massenvernichtungswaffen denkt.  

Fast das genaue Gegenteil davon ist US-Präsident Donald Trump. Was er denkt, ist weitgehend bekannt, er gibt es vor allem in seinen Tweets preis. Und aus diesen und seiner bisherigen Ostasien-Politik muss man schließen, dass er für die ebenso vertrackte wie überaus  gefährliche Nordkorea-Krise denkbar ungeeignet ist. Seine fehlende außenpolitische Erfahrung lässt er bekanntlich kaum von professionellen Außenbeamten auffangen.

Am Sonntag nach dem Atomtest twitterte Trump, er werde sich mit "General Kelly, General Mattis und weiteren Militärführern" treffen, um über Nordkorea zu diskutieren – von Diplomaten und erfahrenen Politikern war keine Rede. Die Kommentatoren der Website Axios meinen, Trump habe Diplomatie nie als realistische Option betrachtet, und nach der atomaren Zündung in Nordkorea sei ein militärische Antwort durch die USA wahrscheinlicher geworden.