Die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydło hat ihrem Land den Anspruch auf Kriegsreparationen bescheinigt. "Meiner Überzeugung nach stehen Polen Kriegsreparationen zu und der polnische Staat hat das Recht, sie zu fordern", sagte Szydło dem Radiosender RMF FM. Ihre Regierung wolle den Dialog mit Deutschland suchen. Eine offizielle Erklärung der polnischen Regierung werde es allerdings erst geben, sobald die Frage vom Parlament geklärt sei.

Szydło hatte sich bisher noch nicht so deutlich zu dem Thema geäußert, obwohl die Forderungen nach deutschen Entschädigungszahlungen wegen des Zweiten Weltkriegs seit einigen Monaten in ihrer Partei erhoben werden. Die Ministerpräsidentin hatte bislang lediglich von einer Prüfung eines möglichen Anspruchs auf solche Zahlungen gesprochen.

Die Debatte begonnen hatte Jarosław Kaczyński, der Vorsitzende der rechtsnationalen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Er hatte Deutschland Ende Juli vorgeworfen, sich der Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg zu entziehen.

Vergangene Woche bekräftigte Polens Außenminister Witold Waszczykowski die Forderung nach Entschädigungszahlungen. Er sprach von Ansprüchen in Höhe von mindestens 840 Milliarden Euro.

Die deutsche Wehrmacht hatte Polen im Jahr 1939 überfallen. Bis zum Kriegsende 1945 starben insgesamt fast sechs Millionen Polen.

Deutschland weist Forderungen zurück

Deutschland hält die Frage nach möglichen Kriegsreparationen für beantwortet und lehnt Zahlungen ab. Nach Ansicht der Bundesregierung verzichtete Polen im August 1953 verbindlich und für ganz Deutschland auf weitere Reparationsleistungen. Das hätten die polnischen Regierungen nachfolgend auch immer wieder bestätigt.

Die derzeitige konservative Regierung in Warschau argumentiert nun aber, dass die Verzichterklärung ungültig sei. Damals habe die polnische Führung auf Druck der Sowjetunion gehandelt. 

Forderungen nach Reparationszahlungen wegen des Zweiten Weltkriegs kommen auch aus Griechenland. Dessen Ministerpräsident Alexis Tsipras kündigte im vergangenen Jahr an, diese zur Not einklagen zu wollen. Die griechische Zentralbank und das Finanzministerium des Landes beziffern die geschuldete Summe auf bis zu 330 Milliarden Euro.