Großbritanniens Premierministerin Theresa May will heute mit einer Rede in Florenz neuen Schwung in die Brexit-Verhandlungen bringen. May werde darin unter anderem Ansätze für eine neue wirtschaftliche Partnerschaft und eine Übergangsphase nach dem offiziellen Austritt aus der EU vorschlagen, teilte ihr Büro mit. Sie werde sich außerdem zu den Rechten von EU-Ausländern im Vereinigten Königreich äußern.

Der Brexit solle nicht als Ende einer Beziehung, sondern als Start einer neuen Partnerschaft gesehen werden, hieß es in vorab veröffentlichten Auszügen der Rede. Beide Seiten wollten, dass der Brexit reibungslos über die Bühne gehe, so Mays Büro. EU-Verhandlungsführer hatten erklärt, die Gespräche könnten nicht fortschreiten, wenn bei bestimmten Schlüsselpunkten des Austritts keine Einigung erreicht werde.

Medienberichten zufolge könnte May ein Angebot im Streit um die Abschlussrechnung präsentieren. Die Rede ist von 20 Milliarden Euro. Das wäre allerdings deutlich weniger, als von der EU voraussichtlich gefordert wird. Experten rechnen mit 60 bis 100 Milliarden Euro, die London der Europäischen Union schuldet. 

Am Donnerstag bemühte sich May in einer außergewöhnlich langen Kabinettssitzung um Einigkeit in ihrer Regierung vor der Rede. Das Kabinett ist geteilt: Auf der einen Seite stehen Minister, die wie Außenminister Boris Johnson einen scharfen Bruch mit der EU wollen. Auf der anderen Seite setzen sich Kabinettsmitglieder wie Finanzminister Philip Hammond für mildere wirtschaftliche Auswirkungen durch den Brexit mithilfe einer langen Übergangszeit ein. 

Johnson hatte am Samstag mit einem Beitrag im Daily Telegraph für Aufsehen gesorgt, in dem er seine Vision eines "glorreichen Brexit" vorstellte. Demonstrativ kamen Außenminister Johnson und Hammond jedoch nach den Gesprächen Seite an Seite hinaus. 

Tusk plant Gipfel der Eurozone im Dezember


EU-Ratspräsident Tusk kündigte einen Gipfel der Euro-Länder für Dezember an. Ziel sei es, die Beratungen "über die weitere Entwicklung der Eurozone" nach dem EU-Austritt Großbritanniens voranzubringen, schrieb Tusk in seinem Einladungsschreiben. "Konkrete Entscheidungen" über die Reform der Währungsunion sollen demnach "spätestens bis Juni kommenden Jahres" getroffen werden. Tusk setzt damit kurz vor der Bundestagswahl einen engen Zeitrahmen für Beschlüsse zur Weiterentwicklung der Währungsunion, die nach der Beinahe-Pleite Griechenlands krisenfester werden soll.