Die USA stehen nach Angaben ihres Außenministers Rex Tillerson im Kontakt mit Nordkorea, um die Möglichkeit von Verhandlungen über dessen Atom- und Raketenprogramm auszuloten. Es gebe Kommunikationskanäle nach Pjöngjang, sagte Tillerson bei einem Besuch in Peking. "Wir sondieren, also bleiben Sie dran." Die USA würden fragen: "Wollt ihr sprechen?" Das Außenministerium in Washington teilte allerdings einige Stunden nach Tillersons Kommentaren mit, Vertreter Nordkoreas hätten nicht erkennen lassen, dass sie an "Gesprächen bezüglich einer Denuklearisierung" interessiert oder dazu bereit seien.

Tillerson sprach in Peking mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und dem obersten Diplomaten der Volksrepublik, Yang Jiechi. Das Angebot direkter Gespräche kommt nach Wochen der gegenseitigen Provokation zwischen den USA und Nordkorea. So hatte US-Präsident Donald Trump vor der UN-Generalvollversammlung Mitte September gedroht, Nordkorea "völlig zu zerstören". Nordkoreas Regimechef Kim Jong Un hatte den US-Präsidenten daraufhin als "geisteskranken, senilen Amerikaner" bezeichnet, den er "mit Feuer bändigen" werde. Wenige Tage später hatte das nordkoreanische Regime einen Tweet Trumps als Kriegserklärung interpretiert und damit gedroht, US-Bomber abzuschießen.  

Angesichts der verbalen Eskalation hatten Deutschland und andere Staaten zu einer friedlichen Lösung des Konflikts aufgerufen. Zuletzt hatte Trump gesagt, dass die Vereinigten Staaten auf einen Militäreinsatz vorbereitet seien. Das sei aber nicht die erste Wahl, um den Streit über das Atom- und Raketenprogramm des Landes zu lösen.

China schließt alle nordkoreanischen Unternehmen im Land

Trump will Anfang November nach Asien reisen, unter anderem nach China, Japan und Südkorea. Die USA fordern seit Langem von China, dass das Land mehr Druck auf Nordkorea ausübt. Vor einigen Tagen setzte China eine UN-Sanktion um und ordnete die Schließung aller nordkoreanischen Unternehmen in China an. Ein von den USA gefordertes komplettes Ölembargo gegen Nordkorea lehnt China aber weiterhin ab.

Der Atomkonflikt um Nordkorea hat eine lange Vorgeschichte. Zu einem vorläufigen Höhepunkt kam sie, als das Land Anfang September nach eigenen Angaben erfolgreich eine Wasserstoffbombe testete. Um mit dieser besonders starken Atomwaffe die USA angreifen zu können, arbeitet Nordkorea an der Entwicklung einer entsprechenden Langstreckenrakete, die den Atomsprengstoff bis nach Amerika tragen kann. Regelmäßig verletzt das isolierte Land Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.