Erstmals haben UN-Ermittler die syrische Regierung für den
Giftgasangriff Anfang April in Chan Scheichun verantwortlich gemacht.
Die syrischen Streitkräfte hätten während ihrer Luftangriffe auf die
Ortschaft am 4. April das Giftgas Sarin eingesetzt und mehr als 80
Menschen getötet, heißt es in einem Bericht der UN-Untersuchungskommission zur Lage der Menschenrechte in Syrien. "Das stellt ein Kriegsverbrechen dar", urteilt die Kommission. Es handele sich um "wahllose Angriffe auf Gegenden mit Zivilbevölkerung".
Westliche Regierungen hatten bereits in den Wochen nach dem Giftgasangriff die syrische Regierung dafür verantwortlich gemacht. Unter den Opfern waren zahlreiche Frauen und Kinder. Als Reaktion darauf hatte die US-Armee den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat, von dem der Angriff ausgegangen sein soll, mit Marschflugkörpern beschossen.
Die syrische Regierung hatte die Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen. Syriens
Machthaber Baschar al-Assad hatte gesagt, der
Angriff in Chan Scheichun sei zu "hundert Prozent konstruiert" worden. Auch das verbündete Russland hatte den
Einsatz von Giftgas bestritten. Vielmehr sei ein Giftgasdepot der
Rebellen getroffen worden.
Die Kommission weist diese Version zurück. In dem UN-Bericht heißt es, dass unter anderem die Opfer Stunden vor dem angeblichen Luftschlag gegen das Depot getroffen wurden. Vier Luftangriffe seien mit einem Suchoi-Jagdbomber ausgeführt worden, den nur die syrische Luftwaffe einsetze. Auf Fotos mit Bombenfragmenten sei eine chemische Bombe identifiziert worden, die in der ehemaligen Sowjetunion hergestellt worden sei.