Thailands ehemalige Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra ist in Abwesenheit zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das oberste Gericht für politische Straftaten in Bangkok sah es als erwiesen an, dass sich die 50-Jährige in ihrer Amtszeit der Verschwendung von Steuergeldern und der Korruption schuldig gemacht habe.

Yingluck wird zur Last gelegt, mit Subventionen für Reisanbau Verluste in Milliardenhöhe verursacht zu haben. Dabei kaufte der Staat zwischen 2011 und 2014 armen Landwirten Reis zum doppelten Marktpreis ab. Insgesamt soll die Regierung unter Yingluck rund zehn Millionen Tonnen erworben haben. Hinter dem Subventionsprogramm stand die Hoffnung, durch die Hortung von Reis den Weltmarktpreis in die Höhe zu treiben.

Stattdessen profitierten aber Konkurrenten wie beispielsweise Vietnam davon und verdrängten Thailand als weltweit größten Reis-Exporteur. Thailand verlor mehrere Milliarden Dollar. Die Militärführung und die Staatsanwaltschaft hatten gefordert, dass die ehemalige Politikerin für das defizitäre System persönlich haftbar gemacht wird. Yingluck wies die Vorwürfe im Prozess immer wieder zurück.

Das Gericht kam zu der Auffassung, dass umgerechnet ein Schaden in Höhe von etwa 6,8 Milliarden Euro entstanden sei. Trotzdem blieb es deutlich unter der Höchststrafe von zehn Jahren Gefängnis.

Yingluck womöglich in Dubai im Exil

Yingluck war bei der Urteilsverkündung nicht dabei. Aus Furcht vor einer Haftstrafe hatte sie sich vor einem Monat ins Ausland abgesetzt. In welchem Land sich die Politikerin heute aufhält, ist nicht bekannt. Vermutet wird, dass sie sich über Kambodscha und Singapur nach Dubai abgesetzt hat. Das oberste Gericht in Thailand hatte im August Haftbefehl gegen die ehemalige Ministerpräsidentin erlassen.

Yingluck ist die Schwester des früheren Regierungschefs Thaksin Shinawatra, der nach einer Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs im Exil lebt. Eine Rückkehr in ihre Heimat gilt nach der Verurteilung als unwahrscheinlich. 2011 wurde sie als erste Frau zur Ministerpräsidentin gewählt. Im Mai 2014 setzte das Verfassungsgericht sie ab. Kurz darauf putschte sich das Militär an die Macht, das bis heute regiert. Die ehemalige Ministerpräsidentin hat in Thailand immer noch eine große Anhängerschaft, vor allem in ärmeren Schichten der Bevölkerung.