Die türkische Autorin Aslı Erdoğan darf das Land wieder verlassen. Seine Mandantin habe ihren Pass zurückerhalten, teilte ihr Anwalt Erdal Doğan mit. Sie wolle nun nach Deutschland reisen, um den ihr verliehenen Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück entgegenzunehmen.

Schon im Juni hatte die Türkei eine Ausreisesperre gegen Erdoğan aufgehoben. Ihr Pass wurde jedoch weiter einbehalten, da ihr Name auf einer Liste von Terrorverdächtigen steht. Die 50-jährige Autorin war im Dezember 2016 nach vier Monaten Untersuchungshaft unter Auflagen wieder freigekommen. Ihr wird wegen ihrer Arbeit für die mittlerweile geschlossene prokurdische Zeitung Özgür Gündem "Terrorpropaganda" und ein Versuch der "Zerstörung der nationalen Einheit" vorgeworfen. Das Verfahren gegen die Schriftstellerin läuft trotz ihrer Freilassung weiter. Die Staatsanwaltschaft hat lebenslange Haft gegen sie beantragt.

Auszeichnung für Berichte zu politischen Verhältnissen in der Türkei

Erdoğan waren in Europa zuletzt mehrere Literaturpreise verliehen worden, darunter der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde der Journalistin und Schriftstellerin vor allem für ihre Berichte über die Auswirkungen der politischen Verhältnisse in der Türkei zugesprochen. Ausschlaggebend sei auch ihre Sammlung von Essays, die derzeit nicht in der Türkei erscheinen könnten, hieß es.

Die Stadt Osnabrück, der Börsenverein und die Preisjury äußerten sich am Freitag erfreut über die Entwicklung. "Das ist ein Lichtblick für die türkische Autorin, die seit über einem Jahr bar jeder Rechtsstaatlichkeit drangsaliert und mundtot gemacht wird", erklärte der Börsenverein. Nach wie vor seien aber viele andere Autoren, Journalisten und Verleger in der Türkei eingesperrt. Der Börsenverein hatte die türkische Regierung per Brief aufgefordert, die Repressalien gegen die Autorin zu beenden.

Erdoğans Romane wie Die Stadt mit der roten Pelerine wurden auch ins Deutsche übersetzt. Ihre Inhaftierung hatte international für Protest gesorgt und wurde als Beispiel für die Einschränkung der Meinungsfreiheit unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan gewertet. Seit dem gescheiterten Militärputsch im Juli 2016 wurden zahlreiche  Journalisten und Menschenrechtsaktivisten in der Türkei verhaftet.