Einer der beiden Deutschen, die in der vergangenen Woche in der Türkei festgenommen worden waren, konnte das Gefängnis verlassen. Dies teilte das Auswärtige Amt unter Berufung auf den Rechtsanwalt des Betroffenen mit. Demnach wurde der Deutsche "ohne Auflagen auf freien Fuß gesetzt". Dies sei eine "positive Neuigkeit". Offiziell bestätigen konnte der Sprecher des Ministeriums die Freilassung indes nicht. Man mühe sich darum, hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Die beiden Deutschen waren am vergangenen Donnerstag im südtürkischen Antalya aufgrund politischer Vorwürfe festgenommen worden. Im Detail wollte das Auswärtige Amt nichts zu den Vorwürfen und den Personalien der Betroffenen sagen. Nach Angaben des Ministeriumssprechers gibt es zu der Person, die sich noch immer in Gewahrsam befindet, noch immer keinen konsularischen Zugang.

Aktuell befinden sich 54 deutsche Staatsangehörige in der Türkei in Haft – elf davon aus politischen Gründen. "Unsere Forderung an die Türkei ist klar", sagte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, in der vergangenen Woche. "Wir erwarten, dass deutsche Staatsbürger freigelassen werden." Er kritisierte auch Verstöße gegen das Wiener Übereinkommen, das die konsularische Betreuung von Inhaftierten regelt. Seit Wochen würde die Bundesregierung keinen ungehinderten Zugang zu deutschen Staatsbürgern erhalten.

Die Inhaftierung deutscher Staatsangehöriger belastet die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Ankara und Berlin schwer. Die Bundesregierung hatte das Vorgehen der türkischen Führung nach dem fehlgeschlagenen Putschversuch vom vergangenen Jahr wiederholt kritisiert. Die Türkei wiederum wirft Berlin vor, "Terroristen" zu unterstützen, indem Deutschland kurdische Politiker und angebliche Putschisten beherbergt.

Peer Steinbrück - Wie sollte die EU mit Autokraten umgehen? Zu wenig, zu zahm, zu unkoordiniert: Für den Umgang mit Polen und der Türkei findet der Ex-Finanzminister und frühere SPD-Kanzlerkandidat im Video harsche Worte. © Foto: Isaak Münkwitz