Kataloniens Polizeichef Josep Lluis Trapero hat die regionalen Polizisten angewiesen, die Wahllokale für das Unabhängigkeitsreferendum am Sonntag zu räumen. Das ging aus einer internen Anordnung hervor. Demnach soll die Polizei am Tag der Abstimmung bis sechs Uhr morgens die Wahlurnen und Unterlagen beschlagnahmen und alle 2.315 Wahllokale schließen.   

Es ist unklar, ob die 17.000 katalanischen Regionalpolizisten dieser Anordnung auch folgen. Ihr Verhalten gilt als entscheidend dafür, ob das Referendum durchgeführt werden kann oder nicht. Die sogenannten Mossos d'Esquadra hatten zuvor Vorbehalte gegen die Forderung der Regierung geäußert, die Wahllokale abzusperren.

Der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, er gehe davon aus, dass sich Millionen Wähler in einem "demokratischen Tsunami" an der von der spanischen Zentralregierung abgelehnten Abstimmung beteiligen würden. Der katalanische Vizepräsident Oriol Junqueras sagte, selbst wenn die Wahllokale geräumt würden, hätten die Bürger alternative Möglichkeiten für die Stimmabgabe. Einzelheiten nannte er nicht. Auch der katalanische Regierungssprecher Jordi Turull sagte: "Jeder kann beruhigt sein, denn wir werden abstimmen können."

Es wird befürchtet, dass es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen von Befürwortern einer Unabhängigkeit Kataloniens mit der Polizei kommen könnte. Polizeichef Trapero wies seine Truppe an, keine Schlagstöcke oder andere Waffen zu verwenden. Gewalt sollten sie nur dann und im begrenzten Maße anwenden, um Menschen aus den Wahllokalen zu eskortieren.

Unabhängigkeitsbefürworter besetzen Wahllokale

Unterstützer des Referendums begannen bereits mit der Besetzung mehrerer Gebäude, die als Wahllokale genutzt werden sollen. Darunter sind auch zwei Schulen in Barcelona. Die Besetzer wollen offenbar verhindern, dass die Polizei die Wahllokale schließt. Das hatte die spanische Zentralregierung in Madrid verlangt.

Eltern kündigten an, dass sie die Nacht mit ihren Kindern in deren Schulen verbringen würden. In der Nacht zu Sonntag würden den Eltern zufolge noch mehr Menschen kommen. Das spanische Bildungsministerium teilte mit, Schulleiter seien nicht von der Haftung für die entstehenden Folgen befreit. Die Regierung in Madrid sieht das Referendum als illegal an.

Die katalanische Regionalregierung in Barcelona will den Volksentscheid über die Unabhängigkeit von Spanien am kommenden Sonntag gegen den Willen der Zentralregierung abhalten. Das spanische Verfassungsgericht hatte die Abstimmung zuvor verboten. Anfang September hatte das katalanische Regionalparlament ein Gesetz verabschiedet, das den Volksentscheid ermöglicht.

Seitdem kommt es zu teils gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den katalanischen Nationalisten und der Zentralregierung. Die spanischen Einsatzkräfte hatten in den vergangenen Tagen hochrangige katalanische Regierungsmitarbeiter festgenommen sowie Wahlurnen, Stimmzettel und sonstige Referendumsunterlagen massenweise beschlagnahmt. Die Justiz leitete Ermittlungen gegen mehr als 700 katalanische Bürgermeister ein, die das Unabhängigkeitsreferendum unterstützen.