Im Atomstreit mit den USA hat der Iran den Druck auf Europa erhöht, sich deutlicher einzumischen. Die künftigen Schritte will das Land auch von der Haltung der Europäer abhängig machen. "Der Widerstand der Europäer wird zeigen, ob das Atomabkommen weitergeführt werden kann oder nicht", sagte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif laut iranischen Medienberichten. Der Iran wolle am Abkommen festhalten, solange auch die europäischen Verhandlungspartner dies tun.

Der US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag angekündigt, nicht weiter anerkennen zu wollen, dass die Regierung in Teheran die Vereinbarungen aus dem Atomabkommen von 2015 einhält. Dies betreffe insbesondere den Grundgedanken, "Frieden und Stabilität in die Region zu bringen". Mit der ausbleibenden Anerkennung ermöglichen die USA erneute Sanktionen gegen den Iran. Ob die bisher ausgesetzten Sanktionen wieder in Kraft gesetzt werden sollen, wird der US-Kongress innerhalb von 60 Tagen entscheiden. In jedem Fall soll die neue Iran-Politik laut US-Verteidigungsminister James Mattis mit den Verbündeten abgestimmt werden. Dafür will der Pentagonchef das Thema zunächst mit "Partnern im Nahen Osten und anderen Teilen der Welt" beraten und "aus erster Hand hören", was sie von dem Vorgehen des Iran halten.

Bislang haben führende europäische Länder Trumps Kritik am Atomabkommen zurückgewiesen. In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die britische Premierministerin Theresa May ausdrücklich zu dem Abkommen. Es sei "ein Höhepunkt von 13 Jahren Diplomatie". Die USA sollten zuerst mögliche Folgen für die Sicherheit der USA und deren Verbündete bedenken, bevor sie weitere Schritte unternähmen. Der deutsche Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sagte, eine Verhaltensänderung des Iran müsse auf anderen diplomatischen Wegen erreicht werden. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini wies darauf hin, dass ein einseitiges Aufkündigen des Deals durch die USA nicht möglich sei. Es stehe keinem einzelnen Land zu, es zu beenden. Auch Russland lehnt Trumps Anti-Iran-Rhetorik ab und will sich für den Fortbestand des Abkommens einsetzen.

Die bisherige Haltung der Europäer erklärt der iranische Außenminister mit ihren geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen im Iran. Das Atomabkommen sei aber auch ein "Test für die Europäer", ob sie unabhängig von den USA eine eigenständige Rolle in der politischen Weltszene spielen können, sagte Sarif. Auch Präsident Hassan Ruhani hatte betont, der Iran werde am Deal festhalten, solange dies die anderen Verhandlungspartner tun.

Das Atomabkommen wurde vom Iran, den UN-Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland geschlossen. Demnach verzichtet der Iran auf die Entwicklung von Nuklearwaffen. Im Gegenzug wurden Sanktionen aufgehoben. Die Einhaltung des Abkommens wird regelmäßig von der internationalen Weltgemeinschaft überprüft. In den USA erfolgt die Zertifizierung alle 90 Tage, die nächste wäre am 15. Oktober fällig geworden. Das soll US-Zeitungsberichten zufolge den Präsidenten zunehmend wütend gemacht haben. Im Wahlkampf hatte er das Abkommen als "schlimmsten Deal" bezeichnet, den er jemals gesehen habe. Jede erneute Zertifizierung kommt Beobachtern zufolge einer öffentlichen Erniedrigung Donald Trumps gleich.