Bei seinem Besuch im Weißen Haus hat der kanadische Premierminister Justin Trudeau die Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta) zwischen den USA, Kanada und Mexiko als schwierig bezeichnet. Trudeau sagte vor Journalisten in Washington, "die Verhandlungen sind schwierig, bleiben weiter schwierig und manchmal sogar unvorhersehbar". Dennoch bleibe er "optimistisch", "denn wir wissen, dass die Bürger beider Länder den Nutzen spüren werden".

Die Neuverhandlung von Nafta hatte Mitte August begonnen. In den bislang drei Verhandlungsrunden wurden noch keine größeren Fortschritte erzielt. Auch in dieser Woche waren die Gespräche in Washington zäh gestartet, was vor allem an der unentschiedenen Position von US-Präsident Donald Trump liegt. "Wir werden sehen, was passiert", sagte er nun zu Trudeau. "Es ist möglich, dass wir kein Abkommen abschließen können und es ist möglich, dass wir eines abschließen können."

Trump will vor allem die Vorteile für die heimische Wirtschaft sichern und weiter ausbauen. Vor Trudeaus Besuch hatte er erneut den Schutz der US-Arbeiter hervorgehoben und "Veränderungen" angemahnt, die sein Land "braucht". Zuletzt hatte die US-Handelskammer vor "unrealistischen Vorschlägen" aus dem Weißen Haus gewarnt. Diese könnten die Verhandlungen sabotieren.

Zwischen den USA und Kanada gab es zuletzt Streit um Strafzölle für die Flugzeugindustrie. So wirft der US-Flugzeugbauer Boeing seinem kanadischen Konkurrenten Bombardier vor, unzulässige Subventionen von der Regierung in Ottawa zu bekommen und so seine Maschinen zu einem Preis unter dem Marktwert zu verkaufen. Die US-Regierung belegte die Bombardier-Flugzeuge CS100 und CS300 mit Strafzöllen in Höhe von 220 Prozent.

Trudeau forderte die USA deshalb bei seinem Besuch in Washington eindringlich dazu auf, diese Strafmaßnahmen fallen zu lassen. Anderenfalls werde seine Regierung darauf verzichten, wie geplant 18 Kampfjets vom Typ Super Hornet des US-Flugzeugbauers Boeing zu kaufen.

Schneller Überblick: Die wichtigsten Freihandelsabkommen

TTIP

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  • 44 % des Welthandels
  • 45 % des globalen BIP
  • 820 Mio. Menschen

Seit dem Jahr 2013 verhandelt die EU-Kommission mit der US-Regierung über ein Transatlantisches Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership). Damit sollen Handelshemmnisse abgebaut werden. Gegner kritisieren, dass die Verhandlungen intransparent geführt würden und viele geplante Regelungen problematisch seien.

CETA

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  • 39 % des Welthandels
  • 25 % des globalen BIP
  • 535 Mio. Menschen

Das Freihandelsabkommen Ceta (Comprehensive Economic and Trade Agreement) der EU mit Kanada ist ausverhandelt. Die 28 EU-Staaten haben den umstrittenen Vertrag einstimmig beschlossen. Er tritt endgültig in Kraft, wenn alle Länderparlamente Ceta ratifizieren.

TPP

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  • 26 % des Welthandels
  • 40 % des globalen BIP
  • 800 Mio. Menschen

Das Freihandelsabkommen TPP (Trans-Pacific Partnership) wurde im Februar 2016 von den zwölf Ländern unterzeichnet. Der Pakt galt Kommentatoren als Verlagerung des Mittelpunkts der modernen Welt vom Atlantik in den Pazifik, weil es das erste große und damit maßgebliche Freihandelsabkommen der Welt werden sollte. US-Präsident Donald Trump hat Mitte Januar 2017 entschieden, aus dem Abkommen auszusteigen. Die Zukunft von TPP ist damit ungewiss.

RCEP

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  • 24 % des Welthandels
  • 28 % des globalen BIP
  • 3 Mrd. Menschen

Die RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership) soll ein Freihandelsabkommen zwischen den ASEAN-Staaten und den sechs Pazifik-Ländern werden, mit denen der Verbund südostasiatischer Staaten bereits entsprechende Verträge geschlossen hatte. Der Grad der Integration soll geringer sein, als es zum Beispiel bei TTIP geplant ist. Vereinbart werden sollen Zollabbau, freier Wettbewerb, Schutz von geistigem Eigentum, wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit sowie Streitschlichtung. Die EU und die USA verhandeln nicht mit, könnten aber beitreten.

NAFTA

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  • 16 % des Welthandels
  • 25 % des globalen BIP
  • 465 Mio. Menschen

Die Freihandelszone North American Free Trade Agreement (Nafta) ist 1994 in Kraft getreten. Das Abkommen sieht Zollerleichterungen und die Öffnung einiger Märkte wie Finanzen und Energie vor und hat zwei Seitenabkommen zu Arbeitsrechten und Umweltschutz. In Mexiko wird unter anderem kritisiert, dass landwirtschaftliche Produkte aus den USA das Land überschwemmten – in den USA heißt es, dass sich Industrieproduktion in das Nachbarland verlagere.