Aus Protest gegen Kürzungen im öffentlichen Dienst in Frankreich haben Tausende Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Nach Angaben des französischen Bildungsministeriums beteiligte sich fast jeder fünfte Lehrer an dem Ausstand, in vielen Schulen fiel der Unterricht aus.

Auch zahlreiche Krippen und Kindergärten blieben geschlossen. Bei der Bahn kam es dagegen anders als von Pendlern befürchtet nicht zu größeren Störungen. Die Fluggesellschaft Air France rechnete mit dem Ausfall von etwa 25 Prozent ihrer Kurz- und Mittelstreckenflüge. Auch Flüge deutscher Airlines nach Frankreich wurden gestrichen. Im Zugverkehr wurden dagegen keine größeren Probleme gemeldet.

Zehntausende Menschen gingen auf die Straße. Zu dem Streik waren erstmals seit zehn Jahren alle fünfeinhalb Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes aufgerufen. Die Proteste richten sich gegen die geplante Streichung von 120.000 Beamtenstellen. Zudem will die Regierung deren Gehälter einfrieren. Mit den Einschnitten will Präsident Emmanuel Macron die EU-Defizitgrenze von drei Prozent erstmals seit zehn Jahren wieder einhalten.

130 Kundgebungen im ganzen Land

"Macron, schau auf deine Rolex, es ist Zeit für eine Revolte", hieß es auf einem Transparent im westfranzösischen Saint-Nazaire, wo sich bis zu 4.000 Menschen an einer Kundgebung beteiligten. "Krankenhäuser im Ausnahmezustand", war auf einem Banner in Nantes zu lesen, wo nach Gewerkschaftsangaben bis zu 8.000 Menschen demonstrierten. Auch in Lyon, Straßburg, Nizza und Montpellier gingen Tausende auf die Straße. Landesweit waren 130 Kundgebungen angemeldet, die größte in Paris.

Es gebe "mehr als nur ein Unbehagen im öffentlichen Dienst", sagte der Präsident der Gewerkschaft FO, Jean-Claude Mailly. Das zeige auch die hohe Beteiligung an den Kundgebungen. Regierungssprecher Christophe Castaner sprach im Fernsehen von einer "bedeutenden Mobilisierung". Die Furcht der Gewerkschaften vor einer sinkenden Kaufkraft der Beamten infolge der Sparmaßnahmen sei aber unbegründet. Premierminister Édouard Philippe sagte, die Regierung stehe ungeachtet der Proteste zu ihren Reformvorhaben.

Der nächste Streik zeichnet sich bereits ab: Die Gewerkschaft CGT hat für den 19. Oktober zu neuen Protesten gegen die Reform des Arbeitsrechts aufgerufen. Auf eine gemeinsame Kundgebung konnten sich die Arbeitnehmervertreter bei einem Treffen in Paris am Montagabend nicht einigen. Die Gewerkschaften seien "nicht alle auf einer Wellenlänge", sagte FO-Chef Mailly. Er hielt aber eine gemeinsame Aktion "im Laufe des Novembers" für möglich.

Streiks auch in Belgien – Zugverkehr beeinträchtigt

Auch im Nachbarland Belgien behinderte ein Streik den Fernverkehr. Die Gewerkschaft CGSP hatte zum Streik aufgerufen. Sie machte damit unter anderem gegen ein geplantes Gesetz mobil, das bei Streiks einen Mindestbetrieb im Verkehrssektor festschreiben soll. Der Ausstand fiel mit der jährlichen Regierungserklärung des Ministerpräsidenten Charles Michel zusammen.

Landesweit waren Zugverbindungen betroffen, zwischen Brüssel und Lüttich fuhr nur jeder fünfte Zug. Auch Verbindungen nach Deutschland seien beeinträchtigt gewesen, teilte die Gesellschaft Thalys mit. In Brüssel fuhr zeitweise nur eine U-Bahn-Linie und kein Bus, auch viele Straßenbahnen fielen aus.

In Brüssel und weiteren Städten gab es zudem Demonstrationen. Demonstranten errichteten Streikposten an mehreren Orten, unter anderem vor dem Atomkraftwerk Tihange in der Nähe von Lüttich.