Die irakischen Kurden rechnen offenbar mit einem Angriff der irakischen Armee und bereiten sich vor: Kurdische Medien berichteten, dass sich in der Provinz Kirkuk zahlreiche Kämpfer versammelt haben. Zehntausende seien bereits vor Ort, zitierte der kurdische Fernsehsender Rudaw den Vizepräsidenten der Region, Kosrat Rassul. Mindestens 6.000 Peschmerga seien seit Donnerstagabend dazugekommen. 

Ein Reporter von Al Jazeera berichtete, dass sich die irakische Armee den Peschmerga-Stellungen bereits auf wenige Kilometer genähert habe. Die Nachrichtenagentur AFP zitierte einen irakischen General, der den Willen zur Rückeroberung der besetzten Provinz bestätigte. Ziel sei es, Militärstellungen einzunehmen, die die irakische Armee vor drei Jahren an die kurdischen Streitkräfte verloren hätte.

Später hieß es jedoch, dass die Bewegungen nur dazu dienten, Kämpfer des "Islamischen Staates" (IS) ausfindig zu machen, die sich auf dem kurdischen Gebiet aufhielten. Anfängliche Meldungen, wonach ein Angriff begonnen habe, wurden vom irakischen Militär zurückgewiesen: "Wir dementieren Medienberichte, dass die Armee eine Militäroperation südlich von Kirkuk begonnen hat. Wir werden rechtliche Schritte gegen alle Versuche einleiten, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen", hieß es in einer kurzen Mitteilung des irakischen Generalstabs.

Der kurdische Sicherheitsrat hatte sich bei seiner Einschätzung der Lage auf Geheimdiensterkenntnisse berufen. Demnach plante die irakische Zentralregierung die Besetzung grenznaher Ölfelder, eines Flughafens und eines Militärstützpunkts. Aus diesem Grund habe man die eigenen Truppen in Bereitschaft versetzt, teilte der Rat mit. Diese seien "zur Verteidigung um jeden Preis" bereit, sagte ein Berater von Kurdenpräsident Massud Barsani.

Auf die ölreiche Provinz Kirkuk erheben sowohl die Kurden im Irak als auch die Zentralregierung in Bagdad Anspruch. Vor drei Wochen hatten die Kurden im Nordirak ein Unabhängigkeitsreferendum durchgeführt, in dem sich nach kurdischen Angaben fast 93 Prozent für die Loslösung ihrer Region vom Irak ausgesprochen hatten. International wird das Votum nicht anerkannt.