Bei der Neuwahl zum isländische Parlament ist die konservative Partei von Ministerpräsident Bjarni Benediktsson Teilergebnissen zufolge abermals stärkste Kraft geworden. Seine Unabhängigkeitspartei büßte allerdings Sitze ein und dürfte im künftigen Parlament, dem Althing, etwa 17 der 63 Abgeordneten stellen.

Auf Platz zwei lagen nach Auszählung von rund der Hälfte der Stimmen die Linksgrünen mit elf Sitzen. Sie dürften versuchen, Benediktsson mit einer Mitte-links-Koalition aus dem Amt zu drängen. Die Sozialdemokraten folgten mit acht Sitzen. Die Chefin der Linksgrünen, Katrín Jakobsdóttir, zeigte sich zuversichtlich, eine Regierung bilden zu können. Voraussichtlich verfehlt ein Mitte-links-Bündnis im neuen Parlament aber eine gemeinsame Mehrheit.

Es zeichnete sich eine schwierige Regierungsbildung ab. Der Ministerpräsident erhob aber Anspruch auf die Führung der nächsten Regierung. "Ich bin optimistisch, dass wir eine Regierung bilden können", sagte Benediktsson. Ihm fehlen allerdings die Koalitionspartner. Das zuvor hoch gehandelte Bündnis aus Linksgrünen, Sozialdemokraten und Piratenpartei kommt allein auch nicht auf die erforderliche Mehrheit.

Rund 248.000 Isländer waren wahlberechtigt. Eineinhalb Stunden nach Schließung der Wahllokale lagen aus allen sechs Wahlbezirken erste Zahlen vor. Fast 40.000 Stimmen waren ausgezählt. Mit einem Endergebnis wurde bis zum Sonntagmorgen gerechnet.

Zwei Wahlen in zwölf Monaten

Die Isländer mussten das zweite Mal innerhalb von zwölf Monaten das Parlament neu wählen, weil die erst wenige Monate alte Mitte-rechts-Regierung im September über einen Skandal um einen Sexualverbrecher geplatzt war. Benediktsson hatte daraufhin Neuwahlen ausgerufen. 

Benediktssons Unabhängigkeitspartei war der Versuch vorgeworfen worden, einen Skandal um dessen Vater zu vertuschen. Medienberichten zufolge hatte Benediktssons Vater ein Empfehlungsschreiben für einen Mann verfasst, der 2004 wegen Kindesmissbrauchs schuldig gesprochen wurde. Mit dem Schreiben wollte er das Vorstrafenregister des Mannes löschen lassen. Das Justizministerium weigerte sich zunächst, offenzulegen, wer den Brief verfasst hatte, und lenkte erst auf Druck eines Parlamentskomitees ein. 

Zuvor mussten infolge der Enthüllungen der Panama Papers mehrere isländische Politiker zurücktreten, unter ihnen im April 2016 der damalige Ministerpräsident Sigmundur Davíð Gunnlaugsson. Für ihn übernahm Sigurður Ingi Jóhannsson, bis vor einem Jahr wieder neu gewählt wurde.