Die Liberaldemokratische Partei (LDP) des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe hat bei der Parlamentswahl nach ersten Prognosen einen klaren Sieg errungen. Das berichteten mehrere japanische Fernsehsender kurz nach Schließung der Wahllokale auf Basis von Wählerbefragungen. Die konservative Regierungskoalition könnte demnach rund zwei Drittel der Sitze im Parlament erhalten – für 311 von 465 Abgeordneten.

Diese Zweidrittelmehrheit ist für den amtierenden Regierungschef Abe wichtig: Er will Japans pazifistische Nachkriegsverfassung ändern und braucht dafür eine entsprechend deutliche Mehrheit im Parlament. Allerdings müssten auch die Bürger seine Pläne in einem Referendum befürworten.

Die japanische Zeitung Yomiuri bezeichnete Abes Erfolg als einen "Erdrutschsieg". Als Grund für das gute Abschneiden der konservativen Regierungspartei sieht der Politikwissenschaftler Mikitaka Masuyama vor allem die Schwäche der Oppostition. "Der Sieg der LDP ist ganz einfach darauf zurückzuführen, dass die Opposition keine gemeinsame Front bilden konnte", sagte Masuyama.

Die oppositionelle Partei Kibo no To – Partei der Hoffnung – unter der Führung von Yuriko Kioke, der beliebten Bürgermeisterin von Tokio, konnte bei der Parlamentswahl nach Prognosen nur 50 der 465 Sitze gewinnen. Koike nannte das Ergebnis im japanischen Fernsehen "sehr schlimm".

Zustimmung dank der Nordkorea-Krise

Abe hatte die Wahl zum Unterhaus, das auch den Regierungschef wählt, um gut ein Jahr vorgezogen. Er begründete seinen Schritt unter anderem damit, ein Mandat für seinen harten Nordkorea-Kurs im Einklang mit der US-Regierung von Präsident Donald Trump zu wollen. Die Opposition hingegen wirft Abe vor, durch die vorgezogenen Wahlen verhindern zu wollen, dass ihn Skandale um mutmaßliche Vetternwirtschaft im Parlament einholen. Wegen der Vorwürfe waren Abes Umfragewerte im Sommer gesunken – durch die Nordkorea-Krise haben sie sich gerade wieder erholt. Mit dem Antritt einer vierten Amtszeit wäre Abe der am längsten regierende Ministerpräsident des Landes.

Die insgesamt 465 Sitze im Unterhaus werden über zwei Wege verteilt: 289 sind die Gewinner der Wahlen in ihren Bezirken. Der Rest der Abgeordneten wird nach dem System der proportionalen Vertretung ausgewählt. Dabei stimmen die Wähler für eine Partei ab, und die Sitze werden entsprechend der Prozentzahl für die einzelnen Parteien vergeben.

Über Japan zieht derzeit der Taifun Lan, den der nationale Wetterdienst als sehr stark eingestuft hat. Mindestens zwei Menschen kamen durch den Sturm ums Leben. Wegen des Unwetters, dessen Zentrum die Gegend um Tokio am Montag erreichen soll, waren die Bürger dazu aufgerufen worden, die Wahllokale frühzeitig aufzusuchen. Die Wahlbeteiligung lag wohl nur etwas unter dem Wert der Parlamentswahl 2014 – damals hatten knapp 53 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.