Die Konzentration von Kohlenstoffdioxid und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre ist so hoch wie zuletzt vor drei Millionen Jahren. Das geht aus einem Bericht der Weltwetterorganisation (WMO) der Vereinten Nationen hervor. Noch nie sei die Konzentration an Treibhausgasen in der Erdatmosphäre so schnell gestiegen wie in den vergangenen Jahren.

Als Gründe für den Anstieg der schädlichen Gase nannte die WMO neben menschlicher Aktivitäten auch das Wetterphänomen El Niño, das in den Meeren zu erhöhten Wassertemperaturen geführt und in den Tropen Dürren verursacht hatte. Ozeane und Wälder könnten dadurch weniger CO2 absorbieren als früher, was den Treibhauseffekt weiter verstärke.

Die konkreten Zahlen veranschaulichen den Anstieg: Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre betrage nach Angaben der WMO 403,3 Teilchen pro einer Million Teilchen (ppm), im Vorjahr habe der Wert bei 400 ppm gelegen. Damit sei der Zuwachsrekord aus dem Jahr 2013, der bei deutlich unter 2 ppm gelegen habe, überboten. Vor 20 Jahren lag die CO2-Konzentration noch bei 362 ppm. Vor Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts sei die Konzentration mindestens 800.000 Jahre unter 280 ppm geblieben, heißt es in dem Bericht. Das belege die Untersuchung von Eisbohrungen. Im Eis sind Luftbläschen eingeschlossen, die die Messung vergangener Konzentrationswerte ermöglichen. Forscher vermuten: Eine derart hohe Treibhausgaskonzentration wie heute gab es zum letzten Mal vor drei bis fünf Millionen Jahren. Damals hätten zwei bis drei Grad höhere Temperaturen geherrscht, der Meeresspiegel habe zwischen zehn und 20 Metern höher gelegen.

Die WMO warnte: Wenn der CO2-Gehalt weiter rapide steige, könnten beispiellose Klimaveränderungen "mit schweren ökologischen und wirtschaftlichen Störungen" ausgelöst werden. Neben Kohlenstoffdioxid seien auch die Werte von Methan und Distickstoffoxid eklatant gestiegen. Der weltweite Ausstoß von CO2 habe sich in den vergangenen drei Jahren zwar kaum verändert, die Konzentration in der Atmosphäre steige jedoch, weil weniger CO2 in den Ozeanen und der Biosphäre gespeichert werden könne.   

WMO-Generalsekretär Petteri Taalas rief zu einem Umdenken auf: "Ohne rapide Einschnitte bei CO2- und anderen Treibhausgasemissionen steuern wir bis Ende des Jahrhunderts auf gefährliche Temperaturanstiege zu, die deutlich über den Zielen des Weltklimaabkommens von Paris liegen. Künftige Generationen erben einen deutlich unwirtlicheren Planeten."

Am Dienstag stellt das UN-Umweltprogramm (Unep) einen Bericht über Fortschritte bei der Reduzierung der Treibhausgase vor. Die Informationen sollen der Klimakonferenz in Bonn, die ab dem 6. November stattfindet, eine Grundlage bieten.