Das brasilianische Parlament hat den Präsidenten Michel Temer erneut gegen Korruptionsermittlungen der Staatsanwaltschaft in Schutz genommen. Die Abgeordneten verweigerten mit 251 gegen 233 Stimmen eine Aufhebung der Immunität Temers. Damit blockierten sie einen Prozess gegen ihn vor dem obersten Gerichtshof wegen mutmaßlicher Behinderung der Justiz. Für eine Immunitätsaufhebung sind zwei Drittel der Abgeordnetenstimmen erforderlich.

Die Staatsanwaltschaft wirft Temer vor, eine kriminelle Organisation geleitet zu haben, die illegale Zahlungen gefordert haben soll. Die Gruppe soll mindestens 587 Millionen Reais (154 Millionen Euro) an Bestechungsgeldern eingenommen haben.

Oppositionspolitikerin Luiza Erundina sagte, sie stimme mit mehr als 90 Prozent aller Brasilianer ab, die Temers korrupte Regierung bereits verurteilt hätten. Damit spielte sie offenbar auf die Umfragewerte des Präsidenten an, die nur noch bei drei Prozent liegen. Politiker Celso Russomanno verteidigte Temer: "Diese Anschuldigung ist schwach, sinnlos und schlimmer als das erste Mal", sagte er bei der Abgabe seiner Stimme. Anfang August hatte Temer bereits eine ähnliche Abstimmung im Zuge anderer Korruptionsvorwürfe überstanden.

Temer im Krankenhaus

Die Ermittler starteten die Untersuchungen zunächst wegen Geldwäsche, es folgte die Aufdeckung systematischer Machenschaften in der Politik- und Wirtschaftswelt des Landes. Es wurden bereits Dutzende Politiker und Unternehmer verhaftet. Über Jahre hinweg soll die Regierung wie ein Kartell verwaltet worden sein, begründet die Staatsanwaltschaft ihre Anstrengungen. Stimmen seien von den Parteien gekauft und Geschäftsmänner auf Posten gehoben worden. Temer beschuldigen sie, das System im vergangenen Jahr übernommen zu haben. Nachdem die damalige Präsidentin, Dilma Rousseff, ihres Amtes enthoben wurde, rückte Temer auf den Posten nach.

Temer war am Mittwoch vorübergehend wegen urologischer Beschwerden in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Ärzte hätten seine Einweisung ins Militärhospital in Brasília veranlasst, hieß es in einer Mitteilung des Präsidialamtes. Nach sieben Stunden wurde der 77-Jährige wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Erst vor zwei Wochen hatte Temer über Herzbeschwerden geklagt.