In Bulgarien ist Gesundheitsminister Nikolai Petrow nach Enthüllungen über Vetternwirtschaft zurückgetreten. Einem Fernsehbericht zufolge soll Petrow als einstiger Chef der Militär-Medizinischen Akademie in Sofia öffentliche Aufträge im Gesamtwert von fast 1,6 Millionen Lewa (rund 800.000 Euro) an Firmen vergeben haben, die von dem Lebensgefährten seiner Tochter vertreten wurden. Ministerpräsident Boiko Borissow nahm Petrows Rücktritt nach Regierungsangaben umgehend an.

Es ist der erste Rücktritt eines Ministers in dem bürgerlich-nationalistischen Kabinett, das seit Anfang Mai in Bulgarien regiert. Im März war Borissows Gerb-Partei als Sieger der dritten Parlamentswahl binnen vier Jahren hervorgegangen. Die oppositionellen Sozialisten werfen dem Regierungslager immer wieder Vetternwirtschaft und Korruption vor. Der Vizechef der Regierungspartei Gerb, Zwetan Zwetanow, dagegen sagte dem TV-Sender bTV: Das Gesetz sei eingehalten worden, man könne "allerdings über die moralische Seite sprechen".

Die Sozialisten hatten auf einem Parteitag am Sonntag beschlossen, einen Misstrauensantrag gegen die dritte Regierung von Ministerpräsidenten Borissow zu stellen. Borissows Partei Gerb ist prowestlich eingestellt, die Sozialisten gelten dagegen als russlandfreundlich. Borissow soll im Januar 2018 für ein halbes Jahr dem EU-Rat vorstehen, weil der Ratsvorsitz nach dem Rotationsverfahren an Bulgarien, eines der ärmsten EU-Länder, fällt.