Im Konflikt mit Iraks Zentralregierung haben sich die Kurden im Norden des Landes aus weiteren Gebieten zurückgezogen. Aus kurdischen Militärkreisen hieß es, dass die Peschmerga-Kämpfer die Stadt Sindschar verlassen hätten. Dort sollen nun irakische Milizen und andere regierungstreue Kräfte einrücken. Auch von den Ölanlagen in Avana und Bai Hassan zogen sich die Kurden zurück. 

Sindschar wird von Angehörigen der religiösen Minderheit der Jesiden bewohnt. Augenzeugen berichteten, zahlreiche jesidische Familien seien aus der Stadt in Richtung des kurdischen Autonomiegebietes geflohen. Die kurdischen Peschmerga hatten die Region Ende 2014 aus der Gewalt der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) befreit. Sindschar gehört wie die Stadt Kirkuk zu den Gebieten, auf die sowohl Kurden als auch Iraks Zentralregierung Anspruch erheben. 

In Kirkuk brachte die Armee bereits gestern im Rahmen einer Offensive gegen die kurdischen Peschmerga-Kämpfer zentrale Einrichtungen unter ihre Kontrolle. Die Stadt liegt nicht in der autonomen Kurdenregion, hatte jedoch an dem umstrittenen Referendum über die Unabhängigkeit von Bagdad teilgenommen. Bei der Abstimmung im September hatte sich die große Mehrheit der Kurden für eine Abspaltung vom Irak ausgesprochen.

Zudem gilt Kirkuk als strategisch wichtig, weil sich dort ein Militärflughafen und Ölfelder der North Oil Company befinden. Bisher kontrollierten die Kurden die North Oil Company, eines der beiden größten Ölunternehmen des Landes. Nun hat die irakische Zentralregierung die Hoheit über das Gebiet zurückgewonnen. Experten sehen in Einnahmen aus Ölreserven in Kirkuk eine Grundvoraussetzung für einen kurdischen Staat.

Trump betont Neutralität der USA

Die USA wollen im Konflikt zwischen den irakischen Kurden und der Zentralregierung Bagdad neutral bleiben. "Wir ergreifen nicht Partei, aber wir finden es nicht gut, dass sie zusammenstoßen", sagte US-Präsident Donald Trump. Man habe "viele Jahre lang sehr gute Beziehungen zu den Kurden" gehabt, stehe aber auch auf der Seite des Irak, sagte Trump. Den Einmarsch der US-Truppen in den Irak 2003 kritisierte der US-Präsident rückblickend: "Wir hätten niemals dort sein sollen."

Außenministeriumssprecherin Heather Nauert sagte, die USA seien sehr besorgt über die Lage im Irak. "Wir beobachten die Situation genau und rufen alle Parteien dazu auf, ihre militärischen Aktivitäten zu koordinieren und die Ruhe wiederherzustellen", sagte Nauert. Beide Seiten sollten jegliche Provokationen unterlassen. Diese könnten sonst von Feinden des Irak ausgenutzt werden, um das Land zu destabilisieren. Die Spannungen zwischen der Zentralregierung und den Kurden lenkten vom Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ab, sagte Nauert.

Laut Pentagon-Sprecher Rob Manning unterstützen auch die in der Region stationierten US-Soldaten und Militärberater "weder die irakische Regierung noch die Regierung Kurdistans". Manning forderte Verhandlungen, um den Konflikt zwischen Kurden und Zentralregierung zu lösen.