Zehn Tage nach der Nationalratswahl in Österreich hat die erste Runde der Koalitionsverhandlungen zwischen konservativer ÖVP und rechter FPÖ in Österreich begonnen. Die jeweils fünfköpfigen Teams kamen Mittwochmittag in einem Palais in der Wiener Innenstadt zusammen. Kurz hatte gestern offiziell bestätigt, über eine Koalition mit den Rechtspopulisten verhandeln zu wollen.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz und FPÖ-Vorsitzender Heinz-Christian Strache gaben sich betont optimistisch. Zunächst gehe es darum, einen Fahrplan für die kommenden Wochen zu erarbeiten. "Am Beginn ist es nicht ratsam, schon über Inhalte zu sprechen. Jetzt geht es um Strukturen", sagte Strache vor der Sitzung. Kurz versprach Gespräche "auf Augenhöhe".

Strache forderte erneut, dass beide Parteien zunächst die Finanzlage prüfen müssten. Die FPÖ sei jedenfalls für die Verhandlungen gewappnet. In der Partei habe man sich seit Jahren auf diese Situation vorbereitet, sagte Strache. Kurz sagte vor den Verhandlungen, bei der FPÖ sei trotz mancher inhaltlicher Unterschiede zu den Konservativen ein starker Gestaltungswille zu spüren.

Kurz hatte die ÖVP weit nach rechts geführt, nachdem er Anfang des Jahres den Posten als Parteichef und Spitzenkandidat übernommen hatte. Im Wahlkampf hielt der ehemalige Außenminister das Thema Migration mit klarer Antiflüchtlingsrhetorik konstant in den Schlagzeilen. Inhaltlich sind die Überschneidungen mit Straches FPÖ groß. Zudem wollen beide Parteien die Steuern senken.

Beobachter waren davon ausgegangen, dass Kurz eine Koalition mit den Rechtspopulisten suchen würde. Denn neben diesen inhaltlichen Überschneidungen mit der FPÖ hatte er keinen alternativen Koalitionspartner: Die Wahlverlierer von der SPÖ wollten eine erneute große Koalition vermeiden und entschieden sich für die Opposition. Zudem hatten die einstigen Regierungspartner sich im Wahlkampf erbittert bekämpft.

Im Jahr 2000 hatte es unter Kanzler Wolfgang Schüssel bereits ein Regierungsbündnis von ÖVP und FPÖ gegeben – die übrigen EU-Mitglieder reagierten damals mit Sanktionen.