Seit Freitagabend hatte Washington den Atem angehalten angesichts von Berichten, Sonderermittler Robert Mueller stehe kurz davor, Anklagen im Zusammenhang mit den Untersuchungen zur möglichen Zusammenarbeit zwischen dem Wahlkampfteam von Donald Trump und dem Kreml öffentlich zu machen. 

Die Bombe, die schließlich platzte, zündete zunächst in sicherer Entfernung des Weißen Hauses. Paul Manafort war zwar zwischen März 2016 und August 2016 für das Wahlkampfteam von Trump tätig. Trump hatte ihn entlassen, nachdem bekannt geworden war, dass Manafort dem früheren ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch geholfen hatte, Millionenbeträge an Lobbyisten in Washington zu schleusen. Im Sommer hatten FBI-Ermittler sein Haus in Virginia durchsucht, mittlerweile steht er unter Hausarrest. Doch die Anklage gegen ihn und seinen Protegé Rick Gates wegen illegaler Finanzgeschäfte beziehe sich nicht auf deren Rolle im Wahlkampf, sondern auf die Arbeit als politische Berater in der Ukraine, stellte die Klageschrift klar. Manafort hatte demnach über Jahre seine Beratung für Janukowitschs prorussische Partei nicht offengelegt. Insgesamt liegen zwölf Anklagepunkte gegen Manafort und Gates vor, darunter Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Beide bestritten die Vorwürfe.

Entsprechend gelassen zeigte sich Ty Cobb, der Anwalt des Präsidenten, im Gespräch mit der New York Times. Es gebe keinerlei Sorgen, dass Manafort im Gegenzug für eine niedrigere Strafe Informationen preisgeben werde, die dem Präsidenten in irgendeiner Form schaden könnten.

Kurz darauf allerdings gab es bereits die nächste große Nachricht. Aus den Gerichtsdokumenten vom Montag geht hervor, dass ein weiterer Berater des Wahlkampfteams von Donald Trump bereits im April 2016 von einer Person mit Verbindungen zur russischen Regierung darauf aufmerksam gemacht worden sein soll, dass Moskau "Schmutz" über Hillary Clinton in Form von "tausenden E-Mails" habe. Der Trump-Berater, George Papadopoulos, soll sich demnach um ein Treffen bemüht haben.

Das FBI belogen

Diese Enthüllung sei deutlich mehr als nur ein "politisches Ärgernis", sagt Jeffrey Jacobovitz, Partner in der Anwaltskanzlei Arnall Golden Gregory in Washington, der einst auch Mitglieder der Clinton-Regierung vertrat. Die Veröffentlichung am Montag sei der bislang stärkste Hinweis auf Verbindungen zwischen dem Wahlkampfteam von Trump und dem Kreml. Papadopoulos bekannte sich inzwischen schuldig, das FBI über die Unterhaltung belogen zu haben und sagte seine Kooperation mit den Behörden zu.

Die Ermittlungen hatten die ersten Monate der neuen Regierung überschattet. In den vergangenen Wochen aber war es ruhig geworden. Große Enthüllungen waren ausgeblieben, seit im Sommer ein Treffen von Trumps Sohn Donald Jr. mit einer russischen Anwältin an die Öffentlichkeit gekommen war – und auch davon hatte man bald nichts mehr gehört. Der Präsident selbst hatte jegliche Verwicklungen mit dem Kreml abgestritten, die Ermittlungen ergaben wenig Gegenteiliges.

Vertreter der Regierung und führende Republikaner hatten angesichts fehlender Enthüllungen den Druck auf Sonderermittler Mueller erhöht, zügig Ergebnisse zu liefern oder die Ermittlungen zeitnah einzustellen. Erst am Wochenende hatte Trump die laufenden Untersuchungen selbst erneut als "Hexenjagd" abgetan und in knapp einem halben Dutzend Tweets die Aufmerksamkeit auf das Wahlkampfteam von Hillary Clinton gelenkt. Den Ermittlern warf Trump politische Motive vor.

Doch nun, mit den jetzt bekannt gewordenen Anklagen, dürfte es für den Präsidenten schwerer werden, die Untersuchungen – an denen auch drei Komitees des Kongresses beteiligt sind – als substanzlos darzustellen.

Dass die Affäre ausgerechnet in dieser Woche mit voller Wucht zurückkommt, dürfte Donald Trump und seine Partei besonders ärgern. Die kommenden Tage sollten im Zeichen großer politischer Meilensteine stehen. Der Präsident will einen Nachfolger für Fed-Chefin Janet Yellen ernennen und der US-Notenbank damit den eigenen Stempel aufdrücken. Und die Republikaner arbeiten fieberhaft an einem Entwurf für ihre Steuerreform, die endlich einen ersten großen gesetzgeberischen Erfolg bringen soll. Mit einer Asienreise will Trump zudem seine außenpolitische Stärke demonstrieren.

Dafür aber interessierte sich am Montag kaum jemand. Rechtsexperten sehen in den jüngsten Anklagen nur den ersten großen öffentlichen Schritt der Ermittlungen, nicht deren Abschluss. Indem Mueller den Druck auf Personen im weiteren Umfeld erhöhe, hoffe er vermutlich auf Kooperation bei den weiteren Untersuchungen, so Jeffrey Jacobovitz. "Mueller würde nicht 16 oder 17 Leute ermitteln lassen, um dann nur ein paar Randfiguren anzuklagen", sagt Jacobovitz.