Der Konflikt über das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien ist nicht nur in Spanien, sondern europaweit verfolgt worden. Für viele Kommentatoren wäre der Dialog zwischen Katalonien und Spanien der erste wichtige Schritt. In spanischen Medien wird in der Zuspitzung des Konflikts auch eine Gefährdung der Demokratie gesehen.

Die größte spanische Tageszeitung El Pais mit Sitz in Madrid spricht von einem "institutionellen Erdbeben". Weiter heißt es: "Angesichts dessen sehen wir nicht nur die Unabhängigkeitserklärung eines Gebiets, sondern die ernstzunehmendste Bedrohung der spanischen Demokratie, seit die Verfassung in Kraft getreten ist; gefährlicher als der versuchte Putsch 1981 oder der Terrorismus der Eta, weil die Attacke einem zivilen Aufstand entspringt, befeuert, erdacht und aufgestachelt von den katalanischen Institutionen. Sezession, Rebellion und Verrat sind, abgesehen von den dafür angemessenen Strafen, angebrachte Worte, die das Wörterbuch bereithält für das Handeln der Rädelsführer dieser versuchten bolivarischen Revolution im Herzen Europas."

Die zweitgrößte spanische Zeitung El Mundo mit Sitz in Madrid vergleicht die Vorgänge in Katalonien mit denen, die schließlich zum Ende der spanischen Republik geführt hatten. Neuwahlen und ein zögerliches Anwenden von Artikel 155 reichten nicht aus, um die Krise einzudämmen. "Es braucht Stärke unter diesen Umständen der Rebellion, aber diese Stärke ist legitim." Die spanische Bevölkerung unterstütze das und sei nicht nur Zuschauer in diesem Vorgang. "Wir sind alle daran interessiert, dass Artikel 155 Erfolg hat." Spanien sei aus dem Putschversuch 1981 mit einer gestärkten Demokratie hervorgegangen – mit verurteilten Aufrührern, heißt es von El Mundo.

La Vanguardia aus Barcelona hingegen sieht die Ansetzung von Neuwahlen für Katalonien als den richtigen Weg an: "Es ist der Moment gekommen, dass die Urnen sprechen und das mit Garantien. Jetzt haben die Katalanen das Wort. Alle."

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) aus der Schweiz hält die Konfrontation und die Zuspitzung der Krise zwischen Spanien und Katalonien für vorhersehbar: "Bei genauerer Betrachtung kommt diese Konfrontation nicht unerwartet. Spätestens seit das spanische Verfassungsgericht 2010 das reformierte Autonomiestatut für Katalonien auf Ersuchen des konservativen Partido Popular von Ministerpräsident Rajoy in wichtigen Teilen rückgängig gemacht hat, hängt der Haussegen zwischen Madrid und Barcelona schief. (...) Angesichts des jahrhundertealten Konflikts mit Madrid ist es unwahrscheinlich, dass die katalanische Unabhängigkeitsbewegung als Folge des harten Durchgreifens der spanischen Regierung einfach verschwinden wird. Trotz 36 Jahren Unterdrückung durch General Franco nahmen die autonomistischen Bestrebungen in Katalonien bereits wenige Wochen nach dessen Tod wieder Fahrt auf. Früher oder später werden deshalb die beiden Seiten miteinander reden müssen. Je länger sie damit zuwarten, umso schwieriger wird es, zu einer Lösung zu kommen."

The Times aus London kritisiert das Verhalten von Katalonien und Spanien im Konflikt: "In diesem Duell müssen zuerst die Katalanen nachgeben. Monatelanger ziviler Ungehorsam würde mehr bewirken, als sich in einer festen Stellung einzugraben. Spanien muss allerdings akzeptieren, dass es den Weg zu einem Dialog blockierte, als es ein brutales Vorgehen der Polizei gegen katalanische Demonstranten erlaubte. Eine Wiederholung solcher harten Repressionen würde ein politisches Problem vergrößern, für das es nur eine politische Lösung geben sollte. Madrid muss den Katalanen seine Argumente für einen Verbleib in Spanien darlegen, und die Katalanen müssen zunächst durch Neuwahlen zeigen, dass es einen wirklichen Volkswillen zur Abspaltung gibt. Die kühleren Köpfe müssen sich durchsetzen. Diese Krise ist keine inländische Plänkelei mehr. Sie berührt das Herz dessen, was ein moderner Nationalstaat in Europa ist. Auf dem ganzen Kontinent und – selbst im Nahen Osten (die Kurden, die Jemeniten und die Bewohner des Ostens von Libyen zum Beispiel) – verfolgen Separatisten sehr genau, wie sich eine hochentwickelte Demokratie jetzt verhält." 

Die niederländische Zeitung De Telegraaf schreibt: "Dem Gesetz nach ist es richtig, dass Brüssel sich nicht in den inneren Konflikt Spaniens einmischt. Die spanische Verfassung verbietet es, in einer Region die Unabhängigkeit auszurufen. Das kommt der EU gerade recht. Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, wäre nicht begeistert, bald König einer Reihe von Ministaaten zu sein, die selbst jemandem, der in Luxemburg geboren wurde, zu klein sind. Er fürchtet, dass nach den Katalanen die Schotten, die Basken, die Korsen, die Flamen, die Veneten und vielleicht gar die Friesen ihre Unabhängigkeit erklären. Dann wäre sein Königreich just unregierbar. Das Beispiel des Kosovos, der sich von Serbien abspaltete, zeigt, wie blutig das Streben nach Selbstbestimmung in Europa werden kann. Natürlich hat Juncker recht, wenn er sagt, dass in Katalonien keine Menschenrechte geschändet werden und dass ein Vergleich mit Jugoslawien absurd ist. Aber recht zu haben ist etwas anderes als ein Lösung zu finden."