US-Außenminister Rex Tillerson ist zu einem Überraschungsbesuch nach Afghanistan und Irak gereist. Dort ging es vor allem um die Sicherheitspolitik vor Ort. In einem Gespräch mit dem irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi zeigte er sich betrübt über den Konflikt der Regierung mit den Kurden im Nordirak. Tillerson betonte dabei, dass beide Seiten Freunde der USA seien und einen Dialog starten sollten: "Ich denke, wenn sich beide Parteien auf einen geeinten Irak verständigen, im Sinne der irakischen Verfassung, können alle Schwierigkeiten angegangen und die Rechte von allen respektiert werden."

Forderungen Tillersons nach einem Abzug "iranischer Milizen" aus dem Irak wies al-Abadi zurück. Die Kämpfer der vorwiegend aus schiitischen Milizen bestehenden paramilitärischen Hasched-al-Schaabi-Einheiten seien Iraker, "die gegen den Terrorismus gekämpft, ihr Land verteidigt und sich im Kampf gegen den IS geopfert haben", sagte al-Abadi.

Die Einheiten seien dem irakischen Staat unterstellt. Die irakische Verfassung lasse zudem keine bewaffneten Gruppierungen zu, die außerhalb der Gesetze stünden. 

Vor seinem Besuch im Irak verbrachte der US-amerikanische Außenminister zweieinhalb Stunden in Afghanistan. Bei einem Treffen mit Präsident Aschraf Ghani in Kabul deutete er eine mögliche Konfliktlösung mit moderaten Taliban an. Aufständische, die sich von Gewalt und Terrorismus lossagten und der Stabilität des Landes verpflichteten, könnten durchaus an einer künftigen Regierung beteiligt werden, sagte er.

Mit Ghani zusammen bekräftigte er die Absicht, Frieden, Stabilität und langfristigen Wohlstand in Afghanistan zu schaffen. Tillerson sagte, dass die neue US-Strategie darauf abziele, Terroristen sichere Rückzugsorte zu verwehren. Auch innenpolitische Themen wie Ghanis Anti-Korruptionsstrategie sowie die Parlamentswahlen im kommenden Jahr seien besprochen worden.

Afghanistans Nachbar Pakistan forderte Tillerson auf, härter gegen extremistische Gruppen vorzugehen, die in seinem Grenzgebiet zu Afghanistan Unterschlupf gesucht hätten. Am Dienstag wird Tillerson Islamabad besuchen und erneut über die Gefahren durch radikale Kämpfer sprechen.

Tillerson war von Katar nach Afghanistan geflogen. Am Wochenende hatte er sich um einen Schulterschluss von Saudi-Arabien und Irak bemüht, um iranischen Bestrebungen nach Einfluss in der Region vom Persischen Golf bis zum Mittelmeer entgegenzutreten.