Sloweniens Präsident Borut Pahor muss auf dem Weg zu einer weiteren Amtszeit wahrscheinlich in die Stichwahl. Das amtierende Staatsoberhaupt lag im Laufe der Stimmauszählung der Präsidentenwahl zwar in Führung, wird aber vermutlich nicht auf die absolute Mehrheit kommen, die ihm eine zweite Wahlrunde erspart hätte. Nach Auszählung fast aller Stimmen kam Pahor auf gut 47 Prozent, sein größter Rivale Marjan Šarec auf knapp 25 Prozent.

Das Verfehlen der absoluten Mehrheit kommt überraschend: Die letzten Umfragen vor der Wahl hatten Pahor einen wahrscheinlichen Sieg schon in der ersten Runde prognostiziert. Das slowenische Fernsehen hatte im Laufe des Tages bereits berichtet, dass Pahor für eine zweite Amtszeit wiedergewählt wurde.

Pahor selbst sagte am Abend in Ljubljana, er habe von Anfang an mit einer Stichwahl gerechnet. Er wolle nun die Bürger vor der Wahl am 12. November "überzeugen, dass ich der beste Kandidat für die Präsidentschaft der kommenden fünf Jahre bin".

Niedrigste Wahlbeteiligung in der Geschichte

Bei der Wahl wurde die Partei des Ministerpräsidenten Miro Cerar abgestraft: So kam die SMC-Kandidatin und Bildungsministerin Maja Makovec Brenčič lediglich auf 1,7 Prozent der Stimmen. Die nächsten Parlamentswahlen stehen bereits im Sommer 2018 an.

Etwa 1,7 Millionen Wahlberechtigte konnten am Sonntag zwischen vier Kandidaten und fünf Kandidatinnen wählen. Die Wahlbeteiligung lag bei lediglich 42 Prozent, was einen neuen Negativrekord und einen deutlichen Rückgang im Vergleich zu den letzten Wahlen vor fünf Jahren (48 Prozent) bedeutet. 

In Slowenien hat der Präsident weitgehend repräsentative Aufgaben. Er besitzt keine Exekutivgewalt, schlägt aber den Ministerpräsidenten vor. Zudem hat seine Meinung bei bedeutenden Themen Gewicht.

Amtsinhaber gegen Politneuling

Mit dem voraussichtlichen Ergebnis trifft der 53-jährige Amtsinhaber am 12. November auf den Journalisten und Schauspieler Marjan Šarec. Der 39-Jährige trat als unabhängiger Kandidat an und gilt als Politikneuling. Seit 2010 ist er  Bürgermeister von Kamnik, einer Kleinstadt mit 14.000 Einwohnern im Norden Sloweniens. Nach eigener Aussage war er angetreten, um das festgefügte Politspektrum aufzubrechen.

Bevor er vor sieben Jahren Bürgermeister wurde, hatte sich Šarec einen Namen als TV-Komiker gemacht, der sein Publikum mit der Imitation führender Politiker im Land zum Lachen brachte. Erste Wahlanalysen zeigen, dass er vor allem bei jüngeren und besser gebildeten Wählerschichten Stimmen holen konnte. 

Pahor war als Sozialdemokrat zwischen 2008 und 2012 bereits Premierminister Sloweniens gewesen. Im Wahlkampf inszenierte er sich in sozialen Medien als bürgernaher Politstar, was ihm den Spitznamen "König von Instagram" einbrachte. So war er im Wahlkampf 700 Kilometer durch Slowenien gewandert, um ins unmittelbare Gespräch mit Bürgern zu kommen. Die Aktion dokumentierte er mit zahlreichen Fotos und Videos. Kritiker werfen ihm vor, das hohe Staatsamt abgewertet und den Wahlkampf "trivialisiert" zu haben.  In der voraussichtlichen Stichwahl gilt er dennoch als großer Favorit.