Nach dem Votum des spanischen Senats zur Zwangsverwaltung Kataloniens sind die internationalen Reaktionen eindeutig. Während die Zentralregierung in Madrid um den konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy viel Zuspruch erhält, gibt es für die katalanische Regionalregierung von offizieller Seite bislang keine Unterstützung.

Die Bundesregierung teilte über Regierungssprecher Steffen Seibert mit, sie sehe "die erneute Zuspitzung der Situation in Katalonien ausgelöst durch den erneuten Verfassungsbruch seitens des katalanischen Regionalparlaments mit Sorge". Die Bundesregierung unterstütze die klare Haltung des spanischen Ministerpräsidenten zur Gewährleistung und Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung.

Die einseitige Unabhängigkeitserklärung des Regionalparlaments in Barcelona erkenne die Bundesregierung nicht an, so Seibert weiter. "Wir hoffen darauf, dass die Beteiligten alle bestehenden Möglichkeiten zum Dialog und zur Deeskalation nutzen werden."

Gabriel fordert Einigkeit

Auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) teilte mit, dass die Bundesregierung die Unabhängigkeit Kataloniens nicht anerkenne. "Nur Gespräche auf Basis der Rechtsstaatlichkeit und im Rahmen der spanischen Verfassung können zu einer Lösung führen", sagte er. Deutschland sei an einem "starken, einigen und stabilen Spanien" gelegen. Das sei wichtig für den Zusammenhalt Europas.

"Gerade in Zeiten, in denen Europas Umfeld geprägt ist von Unruhe und Konflikten, muss Europa Einigkeit und Stärke zeigen", sagte Gabriel. Neue Grenzen und Mauern innerhalb Europas seien nicht im Interesse der europäischen Bürger.

EU soll laut Tusk nicht aus 95 Staaten bestehen

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, sagte, Katalonien sei ein "integraler Teil Spaniens". Die Vereinigten Staaten unterstützten "die verfassungsmäßigen Maßnahmen der spanischen Regierung, Spanien stark und vereint zu halten". Donald Trump, sagte seine Sprecherin Sarah Sanders, schließe sich der Haltung des Außenministeriums an. "Wir wiederholen unsere Unterstützung für ein geeintes Spanien."

EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte in Brüssel, für die EU bleibe Spanien der alleinige Ansprechpartner. Für die Union ändere sich nichts. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker warnte vor "weiteren Rissen" in der EU. Er wolle nicht, "dass die Europäische Union morgen aus 95 Staaten besteht", sagte er laut dem Fernsehsender BFMTV vor Journalisten in Französisch-Guyana. "Wir brauchen keine weiteren Risse und Brüche", so Juncker.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg schrieb auf Twitter, die Katalonien-Frage müsse innerhalb der spanischen Verfassungsordnung gelöst werden. "Spanien ist ein treuer Verbündeter, der einen wichtigen Beitrag zu unserer Sicherheit leistet."

UN ruft zu Lösung des Konflikts auf

UN-Generalsekretär António Guterres rief zu einer raschen Lösung des Konflikts auf. Es müssten "Lösungen innerhalb des Rahmens der spanischen Verfassung" gefunden werden, ließ Guterres über seinen Sprecher Farhan Haq ausrichten. Zudem müssten "politische und gesetzliche Kanäle" eingerichtet werden. Guterres verfolge die Lage in Spanien sehr genau, sagte Haq.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sicherte Rajoy seine Unterstützung dabei zu, den spanischen Rechtsstaat zu verteidigen. "Ich habe einen Gesprächspartner in Spanien, und das ist Ministerpräsident Rajoy", zitierte die spanische Zeitung El País den Präsidenten. Zugleich bekräftigte Macron demnach, die Katalonien-Krise sei eine interne Angelegenheit Spaniens. 

Frankreich erkennt Unabhängigkeit nicht an

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte, sein Land erkenne die Unabhängigkeitserklärung Kataloniens nicht an. Die spanische Verfassung müsse respektiert werden. Er verfolge die Entwicklungen mit Sorge. "Frankreich wünscht, dass Spanien stark und geeint ist", sagte er. 

Der italienische Außenminister Angelino Alfano teilte die Einschätzung Frankreichs. Italien erkenne einseitige Unabhängigkeitserklärung des Regionalparlaments von Katalonien nicht an und werde dies auch künftig nicht tun.

Die britische Premierministerin Theresa May erklärte, ihr Land erkenne den Schritt des katalanischen Regionalparlaments nicht an. Er basiere auf einer Abstimmung, die von spanischen Gerichten für illegal erklärt worden sei, sagte sie.

Der belgische Premierminister Charles Michel rief beide Seiten zu einer friedlichen Lösung des Konflikts unter Berücksichtigung der nationalen und internationalen Ordnung auf. Eine politische Krise könne nur über einen Dialog gelöst werden, twitterte Michel.