Der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber (CSU), warnt wegen der Unabhängigkeitsbestrebung Kataloniens vor eine Rückkehr der Eurokrise. Eine politische Auseinandersetzung um Katalonien könne "zu einem europäischen Flächenbrand werden", sagte Weber der Bild-Zeitung.

Weber forderte, die spanische Zentralregierung in Madrid und die Regionalregierung Kataloniens müssten auf Basis der spanischen Gesetze umgehend verhandeln. Hierzu brauche es mehr Druck von außen auf die katalanische Regionalregierung. Die Zentralregierung lehnt Gespräche mit der Region über eine Entschärfung der Krise ab, solange die geplante Ausrufung der Unabhängigkeit nicht absagt wurde.

Der Chef der Regionalregierung, Carles Puigdemont, kündigte für Dienstag eine Rede vor dem Parlament in Barcelona an. Ob er dann die Unabhängigkeit ausrufen wird, ist unklar. Eine für Montag geplante Plenarsitzung des Regionalparlaments wurde laut einer Sprecherin der Partei CUP wieder abgesagt. Ursprünglich war erwartet worden, dass bei der Sitzung die Unabhängigkeit Kataloniens ausgerufen werden sollte. Die Sprecherin verwies darauf, dass das spanische Verfassungsgericht die Parlamentssitzung verboten hatte.

Die Regionalregierung in Barcelona hatte am vergangenen Sonntag ein Referendum über die Unabhängigkeit der wirtschaftsstarken nordostspanischen Region abhalten lassen, obwohl der Oberste Gerichtshof dies verboten hatte. Dabei hatten nach Angaben aus Barcelona etwa 90 Prozent der Teilnehmer für eine Loslösung von Spanien gestimmt. Die Gegner hatten sich überwiegend nicht beteiligt, um das Referendum nicht zu legitimieren.