Die spanische Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Kataloniens bisherigen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont und weitere Angehörige der abgesetzten Regierung erhoben. Der Vorwurf gegen die Angeklagten laute unter anderem Rebellion, Auflehnung gegen die Staatsgewalt und Unterschlagung öffentlicher Gelder, sagte Generalstaatsanwalt José Manuel Maza.

Die Angeklagten würden als Beschuldigte zu Anhörungen vorgeladen, sagte Maza. Man schließe aufgrund der Schwere der Verbrechen keine Maßnahmen – also Inhaftierung und anschließende U-Haft – aus, sagte er. Die Angeklagten hätten "eine institutionelle Krise verursacht, die mit einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung geendet" habe. Sollten Puigdemont und die übrigen Angeklagten wegen Auflehnung gegen die Staatsgewalt oder gar Rebellion verurteilt werden, drohen ihnen bis zu 30 Jahre Haft.

Der Regionalpräsident soll sich unterdessen nach Angaben der spanischen Regierung nach Brüssel abgesetzt haben. Puigdemonts Anwalt bestätigte das. Die Ausreise zeuge von Verzweiflung, sagte Fernando Martínez Maillo von der Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy. Mit Puigdemont sollen Medienberichten zufolge auch einige Minister ausgereist sein. Am Wochenende hatte der belgische Staatssekretär für Asyl, Theo Francken, gesagt, es wäre "nicht unrealistisch", dass Puigdemont Asyl beantrage. Puigdemonts Partei PDeCAT kündigte unterdessen an, sich an den für Dezember geplanten Neuwahlen in Katalonien beteiligen zu wollen. Auch der bisherige Koalitionspartner der abgesetzten Regierung, die ERC-Partei, will nach eigenen Angaben an der Wahl teilnehmen.

Keine Berichte über zivilen Ungehorsam

Das Parlament in Barcelona hatte am Freitag für eine Unabhängigkeit von Spanien gestimmt. Darauf reagierte die Zentralregierung in Madrid, indem sie die Regionalregierung entließ und in Katalonien die Kontrolle übernahm, um eine Abspaltung zu verhindern. Anhänger der katalanischen Separatisten kündigten zivilen Ungehorsam an. 

Der erste Arbeitstag in Katalonien unter Zwangsverwaltung ist allerdings bisher ohne Zwischenfälle verlaufen. Die meisten der 300.000 Staatsbediensteten erschienen am Montagmorgen wie üblich zur Arbeit. Berichte über zivilen Ungehorsam gab es nicht. Auch die entlassenen Regierungsmitglieder widersetzten sich nicht offensichtlich den Anordnungen. Puigdemont hatte die Katalanen zu "demokratischer Opposition" gegen die Maßnahmen der spanischen Regierung aufgerufen. 

Neben Puigdemont waren auch die übrigen Mitglieder der Regierung in Barcelona ihrer Ämter enthoben worden. Insgesamt mussten 150 Regierungsmitarbeiter gehen. Auch die beiden Chefs der katalanischen Polizeieinheit Mossos d'Esquadra, Pere Soler und Josep Lluís Trapero, wurden abgesetzt.

Der spanische Innenminister Juan Ignacio Zoido hatte am Sonntag an die nationalen und katalanischen Polizeieinheiten appelliert zu kooperieren, um einen reibungslosen Ablauf einer Neuwahl im Dezember zu gewährleisten.