Der "Islamische Staat" (IS) hat die weitgehende Kontrolle über einen seiner wichtigsten Stützpunkte verloren: die syrische Stadt Rakka. Am Nachmittag hatte ein Bündnis von kurdischen und arabischen Kämpfern die Einnahme der Stadt gemeldet. Am Abend teilte das US-Militär mit, dass etwa 90 Prozent der Stadt unter Kontrolle der Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) seien. US-Streitkräfte hatten die SDF bei ihrer Offensive gegen den IS unterstützt.

Man suche nun nach den letzten Kämpfern des IS, sagte der Sprecher der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition, Ryan Dillon. Der IS befände sich in der Stadt "am Rande einer verheerenden Niederlage". Es seien schätzungsweise noch 100 Kämpfer in der Stadt. Noch immer befänden sich Sprengsätze in der Stadt, die jederzeit explodieren könnten. Es könne Jahre dauern, bis sie alle gefunden und entschärft seien.

Die IS-Terrormiliz hatte jahrelang in Rakka geherrscht. In den vergangenen Tagen hatten sich den SDF zufolge bereits mehrere Hundert syrische IS-Kämpfer ergeben, nachdem eine Einigung für einen friedlichen Abzug mit ihnen erzielt worden war. Unter den übrig gebliebenen Kämpfern im Stadtzentrum seien vor allem ausländische IS-Anhänger, aber auch vereinzelte syrische Extremisten gewesen.

Die New York Times berichtet, es habe Überlegungen gegeben, auch die IS-Unterstützer aus dem Ausland in Bussen aus der Stadt zu bringen. Doch die US-geführte Koalition sei dagegen gewesen: Es werde keine Verhandlungen über einen Rückzug von IS-Kämpfern geben, hieß es vergangene Woche.

Nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben bei den Kämpfen seit Juni mehr als 3.000 Menschen – davon mehr als ein Drittel Zivilisten. Die Angaben der Beobachtungsstelle lassen sich nicht von einer unabhängigen Quelle bestätigten, doch sie gilt als gut informiert und vernetzt in Syrien.

Von den einst 300.000 Bewohnern Rakkas haben nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen etwa 270.000 Menschen die Stadt verlassen. Es kann Jahre dauern, bis die in Trümmern liegende Stadt wieder bewohnbar ist.

Die Schlacht um Rakka begann im Juni, als die vorwiegend kurdische SDF-Allianz vorrückte. Unterstützt wurde sie mit intensiven Luftangriffen der US-geführten Koalition. Rakka war lange die Hauptstadt des vom IS ausgerufenen Kalifats, der Verlust der Stadt ist ein schwerer Schlag für die Terrormiliz.