Die syrische Stadt Rakka steht kurz vor der Befreiung. Alle syrischen Kämpfer des "Islamischen Staates" (IS) haben laut der oppositionsnahe Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte die Stadt bereits verlassen, ausländische Kämpfer befänden sich jedoch weiterhin in der Stadt.

Die von den USA geführte Internationale Koalition bestätigte, dass rund 100 IS-Kämpfer die Stadt freiwillig verlassen hätten. Das syrische Staatsfernsehen und das Militär meldeten außerdem, dass Regierungstruppen die Stadt Majadin vom IS zurückerobert haben. Die Angaben sowohl der syrischen Behörden als auch der Beobachtungsstelle für Menschenrechte lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Dass IS-Kämpfer sich ergeben, ist selten und gilt unter den Dschihadisten als unehrenhaft. Laut Internationaler Koalition könnte es daran liegen, dass die Kämpfer völlig von der Führungsebene abgeschnitten sind. Wie viele ausländische IS-Kämpfer noch in Rakka sind, ist nicht bekannt. Nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte hält sich der Drahtzieher der Anschlagsserie in Paris im November 2015 unter den Verbliebenen auf. Er weigere sich aufzugeben, weshalb die Verhandlungen über den Abzug der Kämpfer nicht vorankämen.

Laut den Vereinten Nationen sind noch rund 8.000 Zivilisten in Rakka eingeschlossenen. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International zufolge starben auch Hunderte Zivilisten bei Kämpfen, Luftangriffen oder durch Sprengsätze des IS. Wasser, Nahrung und Medikamente seien knapp. In den vergangenen Monaten waren bereits Hunderttausende vor den Kämpfen aus der Region geflüchtet.

Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hatten im November 2016 begonnen, Rakka zurückzuerobern. Die internationale Anti-IS-Koalition unterstützt die Offensive aus der Luft. Laut der Koalition sind rund 85 Prozent der Stadt befreit. Der IS hatte Rakka 2014 erobert. Die Stadt galt als die Hauptstadt des IS in Syrien und war neben Mossul im Nordirak die wichtigste Stadt der Terrorgruppe. Irakische Truppen hatten Mossul bereits im Juli vom IS befreit.

Die befreite Kleinstadt Majadin war ebenfalls 2014 vom IS eingenommen worden und galt als eine der letzten Stützpunkte der Gruppe in Syrien. Die letzten Rückzugsorte der Extremisten in Syrien befinden sich in der östlichen Provinz Deir al-Zor. Der IS hatte in den vergangenen Monaten bereits die größten Teile seines sogenannten Kalifats in Syrien und im Irak verloren.