Ein Mitglied der katalanischen Regionalregierung hat wegen der Ablehnung von vorgezogenen Neuwahlen durch Regierungschef Carles Puigdemont seinen Rücktritt erklärt. "Meine Versuche eines Dialogs sind erneut gescheitert", twitterte der für Unternehmen zuständige Minister Santi Vila. Der als moderat geltende Vila hatte sich katalanischen Medienberichten zufolge für die Wahl eines neuen Regionalparlaments ausgesprochen.

Puigdemont hatte am Donnerstag Forderungen nach einer vorgezogenen Wahl als Ausweg aus der Krise mit der spanischen Zentralregierung in Madrid abgelehnt. Er habe über die Möglichkeit einer vorgezogenen Parlamentswahl nachgedacht, sich dann aber dagegen entschieden, sagte er in einer Fernsehansprache. Schließlich gebe es keine Garantien dafür, dass so die von der Regierung in Madrid angekündigten Zwangsmaßnahmen vermieden werden könnten.

Der spanische Senat entscheidet an diesem Freitag über die Entmachtung der katalanischen Regionalregierung. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte die Parlamentskammer auf Grundlage des Verfassungsartikels 155 dazu aufgerufen, der Entmachtung sowie der Ausrufung von Neuwahlen in Katalonien binnen sechs Monaten zuzustimmen. Es gilt als sicher, dass der Senat zustimmt, weil Rajoys konservative Volkspartei (PP) dort die Mehrheit hat. Das katalanische Regionalparlament beschäftigt sich am Freitag ebenfalls erneut mit der Krise.

Die Senatsabstimmung ist ein weiterer Höhepunkt im Streit über Kataloniens Unabhängigkeitsbestrebungen. Anfang Oktober hatten bei einem von der Zentralregierung verbotenen und mit massiver Polizeigewalt behinderten Referendum 90 Prozent der Teilnehmer für eine Unabhängigkeit von Spanien gestimmt. Allerdings nahmen nur 43 Prozent der Wahlberechtigten teil.