Russische Polit-Anzeigen könnten während des US-Wahlkampfs weit mehr Nutzer von Facebook erreicht haben als bisher angenommen. Laut einer Schätzung von Facebook ist die Werbung insgesamt 126 Millionen Nutzern angezeigt worden. Das geht aus einer Stellungnahme des Unternehmens an den US-Kongress hervor, die mehreren US-Medien vorlag.

Die russische Regierung hat indes jede Verwicklung in den US-Wahlkampf zurückgewiesen. "Ohne irgendeinen Beweis wird uns eine Einmischung in die Wahlen vorgeworfen, nicht nur in den USA, sondern auch in europäischen Staaten", sagte Außenminister Sergej Lawrow der Agentur Interfax. "Die Fantasie kennt keine Grenzen".

Facebook könne allerdings nicht sagen, wie viele Nutzer die Werbung bewusst wahrgenommen oder ungelesen durchgescrollt hätten. Unmittelbar sei die von der russischen Internet Research Agency gebuchte Werbung 11,4 Millionen Nutzern angezeigt worden; die neue Schätzung liegt höher, weil sie berücksichtigt, dass Nutzer Inhalte untereinander teilen. Gruppen und Firmen können bei Facebook dafür bezahlen, eigene Beiträge in den Nachrichtenstrom von Nutzern einfügen zu lassen. Facebook hatte vor einigen Wochen erklärt, es seien Anzeigen für 150.000 US-Dollar entdeckt worden.

Die russischen Anzeigen zielten darauf ab, Spannungen zwischen sozialen und ethnischen Gruppen in den USA anzuheizen. Einige Anzeigen kritisierten beispielsweise die Diskriminierung von Afroamerikanern, andere schürten Angst vor muslimischen Einwanderern.

126 Millionen ist eine beträchtliche Zahl: Damit erreichten die russische Gruppe potenziell mehr als die Hälfte der etwa 200 Millionen Wahlberechtigten in den USA. Für Trump stimmten bei der Präsidentenwahl insgesamt knapp 63 Millionen US-Amerikaner.

Auch 2.700 Twitter-Profile machten Stimmung

Facebook bezog im Rahmen einer Kongressanhörung zu russischen Social-Media-Aktivitäten im US-Wahlkampf Stellung. Dazu ist am Mittwoch neben Facebook unter anderem auch Twitter geladen. Vertreter des Kurznachrichtendienstes würden den Abgeordneten mitteilen, dass nun etwa 2.700 Profile mit Verbindung zur Internet Research Agency entdeckt worden seien, berichtete der Technologie-Blog Recode. Zunächst war von 220 Nutzerkonten die Rede gewesen.

Darüber hinaus berichtete Google von "einigen" Hinweisen auf Missbrauch durch russische Gruppen auf seinen Plattformen. Sie hätten 4.700 US-Dollar für Werbeanzeigen auf Google-Plattformen ausgegeben, teilte das Unternehmen in einer Stellungnahme mit. Zudem seien 18 YouTube-Kanäle entdeckt – und gesperrt – worden, die vermutlich durch russische Agenten gefördert wurden.

Die Kanäle hätten 1.108 Videos mit 43 Stunden Material beinhaltet, seien aber in den USA bloß 309.000 Mal angeklickt worden. "Obwohl wir nur eine beschränkte Aktivität in unseren Diensten gefunden haben, werden wir weiter daran arbeiten, diese zu verhindern", so Google in einem Blogeintrag. Einflussnahme sei nicht zu akzeptieren.