In Afghanistan sind offenbar mehrere Zivilisten bei US-Luftangriffen getötet worden. Laut einem Vertreter der Provinzbehörden von Kundus starben bei den Attacken auf drei Dörfer im Bezirk Char Dara insgesamt 22 Menschen, 40 wurden verletzt. Andere Mitglieder des Provinzrates berichteten von 14 Toten. Den Berichten zufolge hatten Taliban-Kämpfer die Dorfbewohner gezwungen, Leichen von getöteten Islamisten zu bergen, als sich der Angriff ereignete.

Die US-Streitkräfte teilten mit, die Vorwürfe zu untersuchen. Ein Sprecher der afghanischen Streitkräfte in Kundus wies die Berichte über zivile Opfer bei der Militäroperation zurück.

Der Bezirk Char Dara liegt im Nordosten von Afghanistan und gilt als sehr unsicher. 2008 wurden dort bei einem Taliban-Anschlag auf die Bundeswehr zwei deutsche Soldaten getötet. Das afghanische Militär geht in dem Bezirk seit mehreren Tagen verstärkt gegen die islamistischen Taliban vor.

Die Taliban sind in Afghanistan seit geraumer Zeit wieder auf dem Vormarsch. US-Präsident Donald Trump hatte im August den Plan des US-Verteidigungsministeriums gebilligt, bis zu 3.800 zusätzliche US-Kräfte in das Land zu schicken. Dort sind derzeit circa 11.000 Nato-Soldaten stationiert.

Am Samstag war bekannt geworden, dass die Nato offenbar eine Truppenaufstockung vorbereitet. Künftig sollen demnach mindestens 15.800 Soldaten des Bündnisses in Afghanistan stationiert sein. Die Truppenaufstockung soll bei einem Treffen der Nato-Verteidigungsminister am Mittwoch und Donnerstag in Brüssel bekanntgegeben werden, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Ob sich Deutschland in größerem Maße beteiligen wird, ist wegen der noch nicht abgeschlossenen Regierungsbildung unklar. Das Verteidigungsministerium bestätigte jüngst aber Überlegungen, die Ausbildungstruppe der Bundeswehr in Afghanistan wieder zu verstärken. Die Mandatsobergrenze des Bundestages ermöglicht derzeit eine Entsendung von bis zu 980 Soldaten.