Nordkorea hat erneut eine ballistische Rakete abgefeuert. US-Verteidigungsminister James Mattis zufolge handelte es sich um eine Interkontinentalrakete, die höher geflogen sei als frühere Raketen. Sie habe eine Distanz von etwa 1.000 Kilometern zurückgelegt bevor sie ins Japanische Meer gestürzt sei, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Präsident Donald Trump sagte: "Das ist eine Situation, mit der wir umgehen werden." Die USA würden sich darum kümmern, sagte Trump, ohne weitere Details zu nennen.

Das Regime in Pjöngjang teilte mit, es habe sich um einen neuen Raketentyp namens Hwasong-15 gehandelt. Dieser könne mit einem "schweren Nuklearsprengkopf" beladen werden und das gesamte US-Festland erreichen. Die Rakete stelle kein Sicherheitsrisiko für Nachbarländer dar, hieß es in der Mitteilung des nordkoreanischen Regimes. Machthaber Kim Jong Un habe nach dem Test mit Stolz erklärt, dass das Land sein Ziel, eine Raketenmacht zu sein, erreicht habe. Dies sei eine Antwort auf die "US-Nuklearerpressungspolitik" und die nukleare Bedrohung.

Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap flog die Rakete von der im Süden gelegenen Provinz Pyongan in Richtung Osten. Südkoreas Militär berichtete, die Rakete sei 4.500 Kilometer hoch geflogen – zehnmal höher als die Umlaufbahn der internationalen Raumstation (ISS). Japanischen Informationen zufolge landete sie 250 Kilometer vor der Küste im Japanischen Meer, also innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone Japans. Verteidigungsminister Itsunori Onodera teilte in Tokio mit, die Rakete sei westlich der Präfektur Aomori niedergegangen. "Wir werden Nordkoreas rücksichtslose Aktion nicht tolerieren", sagte Ministerpräsident Shinzo Abe.

Nordkoreas Raketentest

Die Flugbahn der Testrakete »Hwasong 15« am 28. November 2017

Gemeinsam mit den USA würden weitere Einzelheiten des Raketentests untersucht, zitierte Yonhap das südkoreanische Militär. Südkoreas Streitkräfte reagierten nur fünf Minuten nach dem Raketenstart mit einer 20-minütigen eigenen Raketenübung, wie der Generalstab in Seoul nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Daran waren das Heer sowie die Luftwaffe und die Marine beteiligt. Es seien Zielübungen mit Raketen unternommen worden, die die Entfernung zu Nordkoreas Abschussstelle Pyongsong nördlich von Pjöngjang simulierten. Die südkoreanischen Streitkräfte schossen drei Raketen ab.

Theoretische Reichweiten nordkoreanischer Raketensysteme, geschätzt und hochgerechnet

© ZEIT ONLINE

Südkoreas Präsident Moon Jae In warnte vor einer drastischen Verschärfung der Sicherheitslage in der Region. Falls Nordkorea weiter Raketen entwickle, die andere Kontinente erreichen könnten, "könnte es zu einer Situation kommen, die nicht mehr gut zu machen ist", sagte Moon bei einer Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrats in Seoul. "Wir müssen verhindern, dass Nordkorea die Lage falsch einschätzt und uns mit Atomwaffen bedroht, oder dass die USA einen Präventivschlag erwägen könnten."

Moon will Verteidigungsfähigkeiten ausbauen

Moon verurteilte den Raketentest als "rücksichtslose Provokation", die seine Regierung nicht hinnehmen werde. Nordkoreas Verhalten verschärfe nicht nur die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel, sondern bedrohe auch den Weltfrieden. Moon kündigte an, dass Südkorea seine Verteidigungsfähigkeiten ausbauen werde. Sein Land habe keine andere Wahl, als Nordkorea "mit bloßer Macht" zu erdrücken.

Der Generalsekretär der Nato, Jens Stoltenberg, verurteilte den erneuten Test als rücksichtslos und als Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit. 

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die "neueste Provokation" des Regimes in Pjöngjang. "Es ist wichtiger denn je, gegen die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch Pjöngjang zusammenzustehen", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert bei Twitter.