Bei seinem Besuch in Bangladesch hat Papst Franziskus ein Ende des Rohingya-Konflikts gefordert. Bei einer Rede in der Hauptstadt Dhaka dankte er der Regierung für die Aufnahme der Flüchtlinge aus Myanmar und rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, "entscheidende Maßnahmen im Hinblick auf diese ernste Krise" zu ergreifen. Der Papst war zuvor in Myanmar. Genau wie in Bangladesch erwähnte Franziskus die Volksgruppe der Rohingya nicht explizit. In Dhaka sprach er lediglich von "Flüchtlingen aus dem Rakhaing-Staat". 

Verschiedene Menschenrechtler hatten von Franziskus gefordert, den Konflikt offen anzusprechen und zu verurteilen. Bereits seit Jahren wird die muslimische Minderheit der Rohingya im buddhistischen Myanmar unterdrückt. Ende August war der Konflikt eskaliert. Hunderte Rohingya sind seitdem durch das Militär getötet worden und rund 620.000 in das Nachbarland Bangladesch geflohen, wo sie in notdürftigen Lagern wohnen. Die Vereinten Nationen sprechen im Hinblick auf die humanitäre Lage von "ethnischer Säuberung".

Nach seinem Aufenthalt in Myanmar besucht der Papst nun Bangladesch. Er besichtigte verschiedene Denkmäler, die an den Unabhängigkeitskrieg von 1971 erinnern, und sprach mit Staatspräsident Abdul Hamid. Bei einer interreligiösen Veranstaltung wird er auf seiner mehrtägigen Reise auch Rohingya-Angehörige treffen. "In einer Welt, in der die Religion oft – es ist skandalös – missbraucht wird, um Spaltung zu schüren, ist ein solches Zeugnis für ihre Versöhnung und Einheit stiftende Kraft mehr denn je notwendig", sagte Franziskus. Dass der Papst bei seinem Besuch in Bangladesch kein Flüchtlingslager besuchen wird, sorgte indes für Kritik.

Bangladeschs Staatspräsident Hamid rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, zügig und entschieden auf die Situation zu reagieren. Bereits letzte Woche hatte Bangladesch mit Myanmar ein Rückführungsabkommen abgeschlossen, obwohl die meisten Rohingya eine Rückkehr ablehnen. Des Weiteren plant das Land, die Flüchtlinge auf eine abgelegene Insel im Golf von Bengalen umzusiedeln, die während der Monsunzeit regelmäßig überflutet wird. Grund hierfür ist laut Regierung die angebliche Umweltbelastung sowie Sicherheitsrisiken am jetzigen Standort der Flüchtlingslager in Cox's Bazar.