Der katalanische Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont will vorerst nicht nach Spanien zurückkehren.  Dort müsste er sich einem Verhör vor dem Nationalgericht in Madrid stellen. Puigdemonts Anwalt sagte dem niederländischen Fernsehsender NOS: "Es liegt auf der Hand, dass mein Mandant vorerst abwarten wird." Er fürchte, dass Puigdemont keinen fairen Prozess in Spanien bekomme. Diese Befürchtung werde man auch anführen, falls Spanien seine Auslieferung verlangen sollte.

Zwei Mitglieder der abgesetzten katalanischen Regierung sind unterdessen nach Barcelona zurückgekehrt. Der ehemalige Chef des Innenressorts, Joaquim Forn, wurde am Flughafen Barcelonas von Gegnern der Unabhängigkeit Kataloniens mit Protesten empfangen. Demonstranten mit Spanien-Flaggen bezeichneten ihn als Verräter. Ihn begleitete die Ex-Ministerin für Arbeit und Soziales, Dolors Bassa.

Derweil präsentiert sich Puigdemont als Präsident im Exil. Er twitterte die neue Adresse seiner Webseite: president.exili.eu. Dort stellt er sich weiterhin als Präsident Kataloniens dar. Die alte Webadresse president.cat ist nicht erreichbar. Die spanische Regierung hatte die Regionalregierung abgesetzt und alle ihre Websites sperren lassen.

Puigdemont hält sich derzeit mit einem Teil seiner Regierung in Belgien auf – nach eigenen Angaben aus Gründen der Sicherheit. Das Nationalgericht in Madrid hatte den früheren Regierungschef zusammen mit anderen führenden Politikern der Regionalregierung vorgeladen. Ihnen werden unter anderem Auflehnung gegen die Staatsgewalt, Rebellion und Unterschlagung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Rebellion kann in Spanien mit 15 bis 30 Jahren Haft bestraft werden. Die spanische Zentralregierung hatte Puigdemonts Regionalregierung entmachtet, nachdem das Parlament in Barcelona am Freitag einen einseitigen Unabhängigkeitsbeschluss gefasst hatte.

Katalonien - Abgesetzte Regierungsmitglieder kehren nach Barcelona zurück Die ersten Arbeitstage in Katalonien unter Zwangsverwaltung seien ohne öffentliche Proteste und Aktionen des zivilen Ungehorsams verlaufen, sagte Enric Millo, Delegierter der spanischen Regierung in Katalonien. © Foto: Andrej Sokolow / dpa