Das Beste hat sich Donald Trump für den Schluss aufgehoben: Fünf Länder bereiste der US-Präsident auf seiner umfangreichen Asientour in zwölf Tagen. Die Philippinen sind seine letzte Station – und wahrscheinlich ist es das Land, in dem er sich am wohlsten fühlt. Denn Trump ist bei der Bevölkerung der ehemaligen US-Kolonie beliebt. Die Zustimmungswerte sind laut einer internationalen Studie so hoch wie in keinem anderen untersuchten Land. Laut dem US-Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center haben 69 Prozent der Befragten Vertrauen, dass Trump die Welt in die richtige Richtung lenkt. Im globalen Mittelwert sind es nur 22 Prozent.

Ähnlich wohlgesonnen war man dem US-Präsidenten bereits in Vietnam, wo der Politiker am Wochenende am Gipfel der Pazifikanrainerstaaten Apec teilnahm. In beiden Ländern gibt es Sorgen vor einer Übermacht Chinas in der Region. Die offensive Rhetorik, die Trump bereits im Wahlkampf an die chinesische Regierung richtete, hat ihm Anhänger gebracht. Doch sein "America-first"-Versprechen stellt Amerikas Verbündete vor Unsicherheit: "Der Rückzug der USA von wichtigen internationalen Vereinbarungen hat Sorgen über die Anführerschaft und das Bekenntnis der USA zu der Region ausgelöst", kommentierte South China Morning Post.

Die in Hongkong erscheinende Zeitung verweist darauf, wie viel angesichts der zahlreichen sicherheitspolitischen Herausforderungen Asiens auf dem Spiel steht. Sie reichen von Kim Jong Uns Atomprogramm in Nordkorea bis zu dem Streit um das Südchinesische Meer und die freie Schifffahrt in der Region. "Wenn sich Trumps Strategie als falsch herausstellt, gibt es Konfliktpotential in der Region, die zwar wirtschaftlich sehr dynamisch, aber politisch, diplomatisch und militärisch höchst fragil ist."

Unverständnis wegen TPP

Sicherheit und Wirtschaft – zu beiden Themen hielt Trump Reden während des Asientrips. In der Grundhaltung zeigte er sich dabei flexibel: Im südkoreanischen Parlament forderte er internationale Zusammenarbeit, um der Bedrohung durch Nordkorea zu begegnen. Auf dem Apec-Gipfel in Vietnam hielt er dann wenige Tage später ein Plädoyer auf den Nationalstaat und eigennütziges Handeln: "Ich werde immer Amerika an erste Stelle setzen, genauso wie ich erwarte, dass jeder in diesem Raum sein eigenes Land an erste Stelle setzt."

Trump bekräftigte, dass er länderübergreifende Handelsvereinbarungen wie die transpazifische Freihandelszone TPP nicht mehr im nationalen Interesse seines Landes sieht – und stieß damit auf Unverständnis. "TPP hätte Chinas steigenden Einfluss in der Region bremsen können", kommentierte die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei. "Trump hat sich daraus zurückgezogen und somit seine Chance vergeben, die Regeln für Handel und Investitionen in der Region selbst zu formen."

TPP war von Trumps Vorgänger Barack Obama vorangetrieben worden. Das Abkommen, an dem China nicht beteiligt ist, hätte im Asien-Pazifik-Raum die größte Freihandelszone der Welt schaffen sollen. Im Gegensatz zu klassischen Freihandelsverträgen ging es darin nicht nur um den Abbau von Zöllen, sondern auch um gemeinsame Standards bei Arbeitnehmerrechten und dem Umweltschutz.

Die staatliche vietnamesische Zeitung Viet Nam News beschrieb die weitreichenden Folgen von Trumps Anfang des Jahres beschlossenem Rückzug aus dem Pakt: "Die Ankündigung kam nicht überraschend, dennoch traf der Austritt der USA die verbliebenen Länder völlig unvorbereitet." Zu beobachten war das am Wochenende während des Apec-Gipfels. Die TPP-Länder konnten sich nach mehreren Verhandlungstagen nur auf eine Grundsatzeinigung verständigen: Sie wollen auch ohne Trump weitermachen, hieß es.