Auf dem Rasen vor dem Weißen Haus steht der Hubschrauber, bereit zum Abflug. Davor: der Präsident der Vereinigten Staaten. Er spricht drauf los, der Lärm der Rotoren ist ihm egal. Die Fragen der Journalisten sind kaum zu hören. Immer wieder muss Donald Trump sie auffordern, lauter zu sprechen. Dann teilt er aus. Die erste Attacke geht, wie so oft, gegen Hillary Clinton. Das "Fake Dossier", das die Demokraten im Wahlkampf in Auftrag gegeben hätten, sei eine "Schande", sagt Trump. Dann verneint er parteiinternen Streit: Im Vergleich zum Chaos bei den Demokraten sei das, was bei den Republikanern passiere, geradezu ein "Fest der Liebe".

Trump ist jetzt in Fahrt: Ein Seitenhieb gegen einen Senator, der wenige Tage vorher seinen Rücktritt erklärte ("Ich dachte anfangs, er sei ein Demokrat"), und einen gegen die Medien ("Alle sagen großartige Dinge über mich, aber ihr berichtet das nie"); ein Lob für eine bestimmte Journalistin, "Katie", deren Berichterstattung ihm gefallen hat. Schnell noch ein Kommentar zu den laufenden Verhandlungen zur Steuerreform, ein paar Drohungen an zögerliche Konservative und den IS. Nach gut 15 Minuten wendet sich Trump ab und besteigt den Hubschrauber, der nun, noch lauter wummernd, abhebt.

Solche spontanen Pressekonferenzen sind typisch für Trump und seine ersten zehn Monate im Amt. Sie zeigen die komplizierte Hassliebe zwischen dem Präsidenten und den Medien; sie zeigen auch die Fronten, an denen Trump seine Gegner vermutet. Vor allem aber geben sie einen Einblick in die Denkweise dieses Outsider-Präsidenten.

"Schlicht sehr instinktiv"

Schon im Wahlkampf fragten sich viele US-Journalisten, wie die Zusammenarbeit mit einem auf die Medien schimpfenden Präsidenten funktionieren würde, sagt Margaret Talev. Sie ist Korrespondentin im Weißen Haus für Bloomberg und Vorsitzende der White House Correspondents' Association, dem Dachverband der Korrespondenten. Im Alltagsgeschäft zeige sich die Ablehnung kaum, die er nach außen noch immer demonstriert. Der Präsident genieße es vielmehr, mit den Medien zu interagieren. Als Journalist im Weißen Haus bekomme man Donald Trump deutlich häufiger zu sehen als etwa Barack Obama oder George W. Bush, sagt Talev, die seit 2009 aus dem Weißen Haus berichtet.

Anders als seine Vorgänger hält Trump von formellen Pressekonferenzen wenig. Im Februar hielt Trump seinen bislang einzigen regulären Termin ab – Obama brachte es im ersten Jahr auf sieben, George W. Bush immerhin auf vier. Bill Clinton, der die Auftritte vor den Kameras zelebrierte, lud allein im ersten Jahr zu elf Pressekonferenzen. Manche Beobachter sehen hinter Trumps schnellen Fragerunden eine Strategie. Das spontane Aufeinandertreffen gebe den Reportern wenig Zeit, sich vorzubereiten, und erwecke den Eindruck eines chaotischen Presseteams, während der Präsident kontrolliert und überlegen erscheine. Talev hält diese Lesart für übertrieben. Trump, sagt sie, sei "schlicht sehr instinktiv".

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Regelmäßig werden die Reporter über die Lautsprecher in den Presseräumen des Weißen Hauses aus der Arbeit gerissen und aufgefordert, sich für eine der spontanen Stellungnahmen des Präsidenten zu versammeln. "Wir haben schnell gelernt, immer auf die Durchsagen zu achten, für den Fall, dass der Präsident mit uns sprechen will", sagt Talev. Dann müsse man "alles stehen und liegen lassen" – schließlich bestehe immer die Chance, dass Trump genau in diesem Moment eine große Ankündigung mache.

Die großen Geschichten kommen aber oft gar nicht nicht über die offiziellen Kanäle. Vor allem in den ersten Monaten war die Regierung geplagt von zahlreichen undichten Stellen, die interne Reibereien und Machtkämpfe an Medienvertreter weitergaben. Als Reporter komme sie sich immer wieder vor wie ein Therapeut, den die Mitarbeiter im Weißen Haus aufsuchten, um einen "Realitätsabgleich" zu bekommen, sagte Maggie Haberman von der New York Times bei einer Diskussion im Sommer. Noch nie habe sie eine derart "undichte" Regierung erlebt.

Ein Jahr Donald Trump - »Ich bin eine stille Dissidentin« In Washington D.C. ist der Protest gegen den US-Präsidenten leiser geworden. Hier gibt es neben einzelnen Mahnern auch Trump-Fans. Eine Video-Reportage © Foto: Pascal Giese