Wegen der Belästigungsvorwürfe gegen britische Parlamentarier haben Premierministerin Theresa May und andere Parteichefs ein verbessertes Beschwerdeverfahren bei sexuellen Übergriffen beschlossen. Das neue Verfahren solle im kommenden Jahr eingeführt werden, teilte May nach den Beratungen unter anderem mit Labour-Chef Jeremy Corbyn mit. Zudem soll eine bereits bestehende Beschwerdehotline ausgebaut werden: Opfer sexueller Übergriffe sollen ab Ende November auch eine persönliche Anlaufstelle bekommen. Weitere Details der Neuerung nannten die Parlamentarier zunächst nicht.

"Es tut mir leid, dass wir diesen Machtmissbrauch erlebt haben – seit zu vielen Jahren hat es zu viele Fälle gegeben", sagte May nach den Beratungen. Die Tatsache, dass die Übergriffe im Parlament, "am Sitz unserer Demokratie" passiert seien, "sollte uns alle beschämen", fügte die Premierministerin hinzu.

Wegen Belästigungsvorwürfen war vergangene Woche der britische Verteidigungsminister Michael Fallon zurückgetreten. Ins Rollen kam die Debatte um sexuelle Übergriffe, nachdem Außenhandelsstaatssekretär Mark Garnier eingeräumt hatte, seiner Sekretärin den Kauf von Vibratoren aufgetragen zu haben.

Ermittlungen gegen Kabinettschef Green

Seither wurden weitere Vorwürfe gegen zahlreiche Parlamentarier bekannt. Die Tories schlossen ihren Abgeordneten für Dover, Charlie Elphicke, wegen "schwerer Vorwürfe" vorläufig aus ihrer Partei aus. Schottlands Staatssekretär für Kinderbetreuung, Mark McDonald, trat wegen möglichen Fehlverhaltens von seinem Amt in Edinburgh zurück.

Auch gegen Mays Stellvertreter Damian Green wird ermittelt. Ein Ex-Polizist hatte berichtet, dass auf einem von Greens Computern im Parlament im Jahr 2008 "extreme Pornografie" entdeckt worden sei. Zudem hatte eine Journalistin den Kabinettschef beschuldigt, sie begrapscht und ihr eine anzügliche Nachricht geschickt zu haben. Der 61-Jährige streitet alles ab.

Für ihre Tories hatte May bereits am Freitag einen Verhaltenskodex zum Umgang mit Belästigungsvorwürfen vorgelegt.