Die britische Premierministerin Theresa May hat US-Präsident Donald Trump erneut direkt dafür kritisiert, dass er islamfeindliche Videos über Twitter verbreitet hat. Man habe trotz der Zusammenarbeit keine Angst davor, die USA sehr deutlich auf Fehler hinzuweisen, sagte May in Amman. "Und für mich ist sehr klar, dass die Weiterverbreitung der Britain-First-Tweets falsch war." Die Einladung an Trump zu einem Staatsbesuch in Großbritannien wolle sie jedoch nicht zurückziehen.

Trump hatte am Mittwoch auf Twitter mehrere Videos geteilt, die ursprünglich von der Vizechefin der ausländerfeindlichen Gruppe Britain First verbreitet worden waren. Sie zeigen angebliche Gewalt von Muslimen unter anderem gegen Europäer. Die Inhalte sind in Teilen jedoch bereits widerlegt. Ein Sprecher Mays hatte Trumps Vorgehen kritisiert, woraufhin der US-Präsident die Regierung in London aufforderte, sich auf den "zerstörerischen radikalislamischen Terrorismus" in Großbritannien zu konzentrieren.

Die sonst eher USA-freundliche britische Regierung übte Kritik an Trumps Vorgehen. "Es ist falsch vom US-Präsidenten, das getan zu haben", sagte Mays Sprecher. Die Videos seien das Gegenteil von Anstand, Toleranz und Respekt – Werte, für die Großbritannien einstehe. Britain First versuche, die britische Gesellschaft durch den Gebrauch "hasserfüllter Erzählungen" zu spalten. "Die britische Gesellschaft lehnt diese vorurteilsbehafteten Phrasen der Rechtsextremen mehrheitlich ab."

"Trump verunglimpft Menschen auf der ganzen Welt"

Britische Parlamentarier forderten Trump auf, seine Retweets zu löschen, und verlangten von May, die Einladung an den US-Präsidenten zum Staatsbesuch zurückzuziehen. Bei einer Debatte im Unterhaus zu dem Vorfall sagte der Labour-Abgeordnete Paul Flynn, Trump solle wegen "Aufstachelung zum Rassenhass" angeklagt werden, sollte er britischen Boden betreten, wie der Guardian berichtete.

In den USA wuchs die Kritik an Trump ebenfalls. Der unabhängige Senator Angus King aus dem US-Bundesstaat Maine sagte, das Retweeten der Videos mache überhaupt keinen Sinn. Es verunglimpfe Menschen auf der ganzen Welt und setze die Beziehungen zu wichtigen US-Verbündeten im Nahen Osten aufs Spiel.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, hatte die Kritik an Trump zurückgewiesen: Es gehe nicht um den Wahrheitsgehalt der Videos. "Die Bedrohung ist real, davon spricht der Präsident." Es gehe um die Notwendigkeit nationaler Sicherheit und militärischer Ausgaben. "Das sind sehr reale Dinge, es gibt nichts Falsches daran."