Eine Richterin des spanischen Staatsgerichtshofs hat den abgesetzten katalanischen Regionalchef Carles Puigdemont und 13 Mitglieder seiner Regierung zu einer Anhörung vorgeladen. Neun erschienen, darunter auch Puigdemonts früherer Vize Oriol Junqueras, wie Journalisten berichteten.

Puigdemont selbst ignorierte die Vorladung. Der 54-Jährige, der sich zuletzt in Brüssel aufhielt, hatte über seinen Anwalt mitteilen lassen, er werde nicht nach Madrid reisen.

Für Überraschung sorgte das Erscheinen der früheren katalanischen Ministerin für institutionelle Beziehungen, Meritxell Borràs, die bis zuletzt mit Puigdemont und weiteren drei ehemaligen Regionalministern in Brüssel gewesen war. 

Die Staatsanwaltschaft wirft den Politikern Rebellion, Auflehnung gegen die Staatsgewalt und eine Veruntreuung öffentlicher Mittel vor. Das katalanische Regionalparlament in Barcelona hatte am vergangenen Freitag die Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens ausgerufen. Die spanische Zentralregierung setzte daraufhin die Regionalregierung ab und löste das Parlament auf.

Nach der Anhörung könnte die Richterin Anklage erheben. Gegen Puigdemont könnte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl beantragen, um ihn schließlich dem Gericht vorzuführen.

Eine Anhörung vor dem Obersten Gericht in Madrid, die parallel zu der vor dem Staatsgericht stattfinden sollte, wurde um eine Woche vertagt. Die Politiker hätten auf Antrag ihrer Anwälte bis nächsten Donnerstag Zeit bekommen, um weiteres Entlastungsmaterial zu sammeln, hieß  es unter Berufung auf Justizsprecher. Sollte Puigdemont auch hier nicht erscheinen, werde es einen Haftbefehl gegen ihn geben, sagte der Präsident des Gerichts.