US-Präsident Donald Trump hat im südkoreanischen Parlament für ein entschlossenes Vorgehen gegen Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm geworben, dem isolierten Land aber zugleich auch einen "Weg in eine viel bessere Zukunft" in Aussicht gestellt. "Trotz aller Verbrechen, die ihr gegen Gott und den Menschen verübt habt, werden wir einen Weg in eine viel bessere Zukunft anbieten", sagte Trump in seiner Rede vor den Parlamentariern in Seoul.

"Deine Waffen machen dich nicht sicherer"

Trump zeichnete in seiner gut halbstündigen Ansprache den scharfen Kontrast zwischen einem freien, prosperierenden Südkorea und einem völlig verkommenen, am Boden liegenden Norden. "Nordkorea ist ein Land, das wie eine Sekte regiert wird", sagte der US-Präsident und kritisierte die Menschenrechtsverletzungen dort. "Nordkorea ist eine Hölle, die kein Mensch verdient." An die Adresse der Südkoreaner sagte Trump: "Euer Erfolg ist der größte Grund für Angst und Panik im Norden." Schon die Gegenwart eines freien und unabhängigen Südkorea bedrohe das nordkoreanische Regime in seiner Existenz.

Trump wandte sich auch direkt an den nordkoreanischen Führer Kim Jong Un. "Deine Waffen machen dich nicht sicherer, sondern gefährden dein Regime", sagte er. "Nordkorea ist nicht das Paradies, das dein Großvater sich vorgestellt hat." Die USA suchten zwar keine Konfrontation, "aber wir werden niemals davor davonlaufen", sagte Trump. "Wir werden es nicht zulassen, dass Amerika oder seine Verbündeten erpresst oder angegriffen werden." Wenn man Frieden wolle, müsse man jederzeit mit Stärke agieren. "Jetzt ist die Zeit für Stärke."

Appell an China und Russland

Der Präsident forderte internationale Unterstützung für seinen Kurs ein und rief insbesondere die UN-Vetomächte China und Russland auf, sich dem Atom- und Raketenprogramm des kommunistischen Landes entgegenzustellen. "Ihr könnt nicht unterstützen, ihr könnt nicht beliefern, ihr könnt es nicht hinnehmen", sagte Trump. In Nordkorea herrsche eine "grausame Diktatur", die Menschen unterdrücke.

Trump befindet sich derzeit auf einer knapp zweiwöchigen Asienreise. Nach seinen Stationen in Japan und Südkorea wird er an diesem Mittwoch in China erwartet. Zentrales Thema seiner Reise ist die prekäre Lage auf der koreanischen Halbinsel, die vor allem durch die anhaltenden Provokationen des Kim-Regimes in Nordkorea verursacht wird. In den vergangenen Monaten hatte die Regierung in Pjöngjang mehrfach Raketen getestet und damit gegen UN-Resolutionen verstoßen.

Trump muss Besuch von Pufferzone abbrechen

Noch an diesem Mittwoch reist Trump weiter nach Peking und musste kurz vor seiner Rede in Seoul einen überraschend eingeplanten Besuch in der demilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea abbrechen. Nach Angaben seiner Sprecherin Sarah Sanders sei der Präsident nur noch fünf Minuten von der Pufferzone entfernt gewesen, bevor dichter Nebel die Hubschrauber zum Umkehren gezwungen habe. Eine Stunde lang habe Trump in seinem Wagen auf besseres Wetter gehofft. Dann kehrte seine Kolonne nach Seoul zurück. "Ich denke, dass er sehr enttäuscht ist", sagte Sanders.

Noch kurz vor Trumps Asienreise hieß es, anders als frühere Präsidenten werde Trump die Pufferzone wohl nicht besuchen. Sprecherin Sanders hatte vor der Reise verbreitet, die Besuche in der DMZ seien "schon ein wenig zum Klischee geworden, ganz ehrlich". Jetzt gab der Stab des Präsidenten Sicherheitsgründe für die Geheimhaltung an. Geplant war ein gemeinsamer Besuch von Trump und seinem südkoreanischen Amtskollegen Moon Jae In, der bereits in der Zone auf seinen Gast gewartet habe. Es wäre das erste Mal gewesen, dass die Präsidenten der USA und Südkoreas das schwer gesicherte Gebiet besucht hätten.