Nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung ist der britische Verteidigungsminister Michael Fallon von seinem Amt zurückgetreten. Das berichten mehrere britische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf einen Regierungssprecher. Seinen Parlamentssitz wolle Fallon aber behalten. Er habe in der Vergangenheit nicht die hohen Standards erfüllt, die von ihm verlangt würden, erklärte der konservative Politiker in einem Brief an Premierministerin Theresa May.

Einem Bericht des Guardian zufolge soll der heute 65-Jährige im Jahr 2002 bei einem Dinner der Radiomoderatorin Julia Hartley-Brewer mehrfach ans Knie gefasst haben. Daraufhin habe sie ihm eine Ohrfeige angedroht, woraufhin Fallon die Hand weggenommen habe, schrieb das Blatt. Hartly-Brewer erklärte, sie fühle sich in dieser Sache nicht als Opfer sexueller Belästigung. Die Frau hatte den Vorfall gelassen hingenommen und twitterte: "Meine Knie blieben intakt." Fallon selbst sagte, es habe neben dem Vorfall um Julia Hartley-Brewer andere Fälle gegeben.

Premierministerin Theresa May dankte Fallon für seine "lange und beeindruckende Ministerkarriere". Sie begrüße, dass er mit seinem Rücktritt den Soldaten ein gutes Beispiel geben wolle.

Weitere Politiker wegen sexueller Belästigung beschuldigt

In den vergangenen Tagen war eine Reihe von Missbrauchsvorwürfen gegen britische Politiker laut geworden. Die Debatte um sexuelle Übergriffe startete, nachdem Außenhandelsstaatssekretär Mark Garnier eingeräumt hatte, seiner Sekretärin den Kauf von Vibratoren aufgetragen zu haben. Fallons Rücktritt erhöht den Druck auf Mays Kabinettschef Damian Green. Er soll einer Frau ans Knie gefasst und ihr eine anzügliche Textnachricht geschickt haben, streitet die Vorwürfe jedoch ab.

Eine frühere Labour-Mitarbeiterin beschuldigt derweil einen ranghohen Parteipolitiker, sie als 19-Jährige vergewaltigt zu haben. Als sie sich einem Vorgesetzten anvertraute, habe dieser ihr nahegelegt, nicht darüber zu reden, weil dies ihrer Karriere schaden könne. Labour-Parteichef Jeremy Corbyn kündigte eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe an.

Eine weitere Frau warf einem ebenfalls ungenannten Abgeordneten vor, sie während einer Auslandsreise sexuell bedrängt zu haben. Zunächst habe er sie genötigt, sich aufs Bett zu setzen, sie dann aufs Bett gestoßen, ihre Schulter festgehalten und versucht, sie zu küssen, sagte die Frau dem Sender ITV.

Der Zeitung Times zufolge zirkuliert unter Mitarbeitern der konservativen Fraktion des britischen Unterhauses eine Liste mit fast 40 Abgeordneten, darunter mehrere Regierungsmitglieder, gegen die es Vorwürfe wegen unangemessenen Verhaltens geben soll.

Premierministerin Theresa May lud die Parteichefs für Anfang kommender Woche zu einem Treffen ein, um einen einheitlichen Beschwerdeweg für derartige Fälle festzulegen. May hatte angekündigt, sollte es Hinweise oder Belege für Fehlverhalten geben, werde dies Konsequenzen haben.