Seine größten Bewunderer gaben ihm fünf Monate in der französischen Regierung, er selbst gönnt sich nun ein Jahr: "Wenn ich nach zwölf Monaten zu wenig verändert habe, ziehe ich mich zurück", sagte Frankreichs Umweltminister Nicolas Hulot diese Woche. Starke Worte für einen Umweltaktivisten, der im Kabinett von Emmanuel Macron ein Superministerium führt und große Baustellen der Regierung meistern muss: Der 62-Jährige will die Atomkraft drosseln in einem Land, das die weltweit höchste Dichte an Nuklearanlagen bereithält. Er will Diesel- und Benziner bis 2040 verbieten. Und er will die größte konventionelle Agrarindustrie in Europa auf Bio umstellen.

"Ich kann keine Wunder vollbringen", sagt er. "Aber klar ist: Wenn wir überleben wollen, müssen wir unser Leben verändern." Ab kommenden Montag schlägt wieder eine seiner großen Stunden: Hulot wird sich auf der Weltklimakonferenz in Bonn dafür einsetzen, den 2015 in Paris erarbeiteten Klimavertrag weltweit aufrechtzuerhalten, und mit gutem Beispiel vorangehen. Frankreich will seinen CO2-Ausstoß sogar stärker drosseln als angekündigt.

So einer wie Hulot fehlt den Grünen in Deutschland für ihre Jamaika-Verhandlungen: Er ist der bekannteste Minister und einer der beliebtesten Franzosen noch dazu. Viele kennen den 62-Jährigen noch von Fernsehabenden ihrer Kindheit, haben seine Reportagen über Naturparadiese und ihre Feinde im Fernsehen gesehen oder einen seiner Filme im Kino angeschaut. Hulot ist für Frankreichs Umweltpolitik so etwa wie Reinhold Messner für die Bergwelt: ein Urgestein. Ein wirklich Radikaler war Hulot trotzdem nie. Für deutsche Verhältnisse wäre er vielmehr ein grüner Realo.

Der einzige Minister mit eigenem Programm

Da die Grünen in Frankreich aber nur eine sehr kleine Rolle spielen, ist das im Nachbarland viel. Schon seit Jahrzehnten berät er die jeweiligen Präsidenten der Republik und hat es anfangs nur zu belächelten Umwelttipps gebracht, wie etwa das Licht auszumachen, wenn das Haus verlassen wird. Außerdem scheute er sich nicht, seine zunächst nach ihm benannte Stiftung von umweltpolitisch ignoranten Konzernen wie dem Atomriesen EDF sponsern zu lassen. Viele Umweltaktivisten hat das verschreckt.

Auch deshalb entschied sich die grüne Partei Frankreichs in einer Urabstimmung im Jahre 2012 überraschend für die militantere Präsidentschaftskandidatin Eva Joly. Denn für viele überzeugte Grüne war er der "Duschgel-Kandidat": Hulot hatte eine Körperpflege-Serie herausgegeben, die den Namen seiner TV-Sendung, Ushuaïa, trug. Ushuaia ist die südlichste Stadt Argentiniens, die Hulot häufig bereiste und deren Naturschönheiten er anpries.

Der Duschgel-Mann aus dem Fernsehen ist trotzdem der Einzige in Macrons Kabinett, der ein eigenes Programm durchsetzen kann. Alle weiteren Minister setzen bislang eins zu eins um, was der junge Präsident im Wahlkampf versprochen hatte: Neue Regeln für den Arbeitsmarkt – sind schon verordnet worden. Geringere Vermögenssteuer – längst abgehakt. Und um die neue Europapolitik kümmert sich Macron höchstselbst in zahlreichen Diskursen in Brüssel oder Paris. Nur die Umweltpolitik, die war bislang eine Nullstelle im Programm. Das ist Hulots Chance und auch sein Problem: Er kann sich nicht auf irgendwelche Versprechen im Wahlkampf berufen, sondern muss die Agenda selbst setzen.

Und offenbar manchmal auch gegen seinen Chef, den Präsidenten. Die beiden verbindet nur wenig. Macron ist ein Newcomer, ein Selfmade-Präsident, der seine Karriere bei Banken begann und mit 39 Jahren den Élysée-Palast stürmte. Hulot hingegen begann als Saisonarbeiter am Strand, als Kellner in Cafés und verdiente sein Geld schließlich als Fotograf und Regisseur im Ausland. Seine Ushuaïa-Sendung promotete zunächst Extremsportler – Kletterer, Wellenreiter, Rennfahrer –, um dann mehr und mehr die Umwelt an allen Enden der Erde beschützen zu wollen.