Dass der Fall Zarrab nun in New York vor Gericht kommt, stellt Erdoğan als erneute Verschwörung Gülens dar, den er auch für den gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 verantwortlich macht. Der Fall sei politisch motiviert und ein "Komplott gegen die Türkei", wetterte ein Regierungssprecher. Atilla und Zarrab würden als "Geiseln" gehalten und die US-Justiz habe Zarrab gezwungen, "Verleumdungen" gegen die Türkei zu unterzeichnen. Der Fall müsse eingestellt werden.

Laut der türkischen Regierung hat die US-Justiz in dem Fall illegale Telefonmitschnitte aus den Korruptionsermittlungen von Dezember 2013 als Beweise zugelassen. Die türkische Justiz leitete deswegen vergangene Woche Ermittlungen gegen zwei US-Staatsanwälte ein. Am Dienstag stellte sie zudem Haftbefehle gegen zwei Türken aus, die "gefälschte Dokumente" an die US-Justiz übergeben haben sollen, darunter ein Bericht zur Rolle der Halkbank bei den Goldgeschäften.

Erdoğan hat im vergangenen Jahr immer wieder versucht, den Fall zu entschärfen. So soll es Gespräche mit dem früheren New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani gegeben haben, den Zarrab als Vermittler engagiert hatte. Als alles nichts half, verlegte sich die türkische Regierung darauf, den Fall als "Verschwörung" gegen die Türkei zu diskreditieren. Kaum ein Tag verging in den vergangenen Wochen, an dem die türkische Regierungspresse keine Artikel und Kommentare dazu veröffentlichte.

USA nennen die Vorwürfe "lächerlich"

Die US-Regierung hat jedoch alle Vorwürfe als "lächerlich" abgetan. Es sei das "gleiche alte Lied" aus Ankara, bemerkte eine Außenamtssprecherin trocken. Beobachter warnen, mit seinen Verschwörungstheorien überzeuge Erdoğan womöglich sein heimisches Publikum, nicht aber die US-Öffentlichkeit. Vielmehr könnten seine Behauptungen, die New Yorker Staatsanwälte versuchten ihn im Auftrag Gülens zu stürzen, das Image der Türkei nur noch weiter beschädigen.

Auch wirtschaftlich könnte das Verfahren für die Türkei gefährlich werden. Die USA haben schon mehrfach hohe Strafen gegen Geldhäuser verhängt, die aus ihrer Sicht gegen Iran-Sanktionen verstoßen haben. Zwar steht die Türkei mit der Ansicht nicht allein da, dass US-Sanktionen nicht bindend sind für nicht-amerikanische Unternehmen. Doch dürfte dies das New Yorker Gericht kaum davon abhalten, auch die Halkbank zu einer Geldstrafe zu verurteilen.

Für Unruhe an den türkischen Finanzmärkten sorgten daher Gerüchte über eine Fusion der Halkbank mit einer anderen staatlichen Bank. Die Halkbank dementierte zwar, aber die ohnehin schwache türkische Lira verlor weiter an Wert. Sollte die Halkbank sanktioniert werden, könnte dies auch negative Konsequenzen für andere Banken haben. Eine Finanzkrise ist aber das Letzte, was Erdoğan vor den wichtigen Präsidentenwahlen 2019 gebrauchen kann.