Das US-Heimatschutzministerium hat ein Programm beendet, das Zehntausenden Haitianern nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2010 einen besonderen Schutzstatus in den USA einräumt. Nach Angaben der Behörde seien die "außergewöhnlichen und vorübergehenden Bedingungen" für den Schutzstatus nicht mehr gegeben. Dies habe man nach eingehender Prüfung entschieden. Die haitianischen Behörden hätten "erhebliche Schritte unternommen, um die Stabilität und die Lebensqualität ihrer Bürger zu verbessern". Das Land sei nun in der Lage, Rückkehrer in normaler Zahl wieder aufzunehmen.

Vor sieben Jahren hatten die USA knapp 59.000 Haitianern ermöglicht, auch nach Ablauf ihres Visums im Land zu bleiben und nicht in ihre Heimat zurückkehren zu müssen. Dort hatte ein Erdbeben große Schäden angerichtet. 200.000 Menschen waren getötet worden, 1,5 Millionen verloren ihr Zuhause. Kurz danach war eine schwere Cholera Epidemie in dem Land ausgebrochen, an der zusätzlich mehr als 9.000 Menschen starben. Seitdem ist das Land von internationaler Entwicklungshilfe abhängig.

Nun haben die Haitianer, die einen vorübergehendem Aufenthaltsstatus bekommen hatten, 18 Monate Zeit, auf die Karibikinsel zurückzukehren. Alternativ könnten sie auch versuchen, ein US-Visum oder einen sonstigen Aufenthaltsstatus für die USA zu erlangen. Nach Angaben des Heimatschutzministeriums erlaube es die Übergangsfrist den Betroffenen, sich auf die Rückkehr vorzubereiten, und dem Land, Vorkehrungen für die Aufnahme Zehntausender Landsleute zu treffen.

Die in den USA lebenden Haitianer und ihre Vertretungen hatten mit diesen Plänen bereits gerechnet. Im Sommer waren Tausende von ihnen über die Grenze nach Kanada geflüchtet, um dort Asyl zu beantragen. Zuletzt hatten Exil-Verbände und Nichtregierungsorganisationen erwirkt, dass der Schutzstatus nicht – wie ursprünglich geplant – bereits im Januar ausläuft.

Das im Westteil der Insel Hispaniola liegende und an die Dominikanische Republik grenzende Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Drei Viertel aller Einwohner leben von weniger als zwei Dollar am Tag. Zudem gibt es große politische Unruhe, nachdem der neue Präsident Jovenel Moïse die Armee des Landes wieder mobilisierte. Diese war wegen ihrer Beteiligung an zahllosen Unterdrückungsaktionen und Staatsstreichen 1995 aufgelöst worden. Die Opposition spricht von einer "Armee der Folterer".