Venezuela leidet unter der höchsten Inflationsrate der Welt. Im Kampf dagegen will Präsident Nicolás Maduro nun erstmals Geldscheine im Wert von 100.000 Bolívar drucken lassen. Er stellte den neuen Schein, der nach dem Kurs des Schwarzmarktes weniger als 2,50 Dollar (knapp zwei Euro) wert ist und noch diese Woche in Umlauf gebracht werden soll, im venezolanischen Staatsfernsehen vor. 

Die sozialistische Regierung möchte damit den Bedarf an Papiergeld verringern. Der Gebrauch einer materiellen Währung werde damit ersetzt, sagte Maduro. Vor einem Jahr war der größte Schein in dem Land noch der Hunderter, der zu dem Zeitpunkt aber praktisch schon nichts mehr wert war.

Der Geldwert zog auch mit dem monatelangen Machtkampf und der Ausschaltung des von der Opposition dominierten Parlaments weiter an. Bürger versuchten, an Devisen zu kommen – teilweise auch, um Venezuela verlassen zu können. Bewohner der Hauptstadt Caracas stehen derzeit stundenlang an, um kleine Mengen an Bargeld von Bankautomaten abzuheben.

Große Ölreserven, kaum Devisen

Maduro kündigte zudem erneut eine Erhöhung des Mindestlohns an, der nach einer Anhebung um 30 Prozent bei 177.507,43 Bolívar liegen soll – umgerechnet entspricht das nach dem derzeitigen Schwarzmarktkurs knapp 3,70 Euro. Wirtschaftswissenschaftler hatten gewarnt, dass solche Maßnahmen die Inflation eher verstärken werden, anstatt sie zu stoppen.

Trotz der größten Ölreserven der Welt hat das Land kaum noch Devisen, um damit Lebensmittel und Medikamente einzuführen. Krankheiten und Hunger nehmen rasant zu, einige Krankenhäuser haben nur noch fünf Prozent des benötigten Materials.

Die USA und die EU werfen Maduro vor, eine Diktatur zu errichten, um sich trotz der dramatischen Krise an der Macht zu halten. Maduro macht hingegen das Ausland und Sanktionen für die Misere im Land verantwortlich. "Wir müssen das Volk vor diesem ökonomischen Krieg schützen, vor den Spekulanten, bis wir mit einer neuen Wirtschaft das Gleichgewicht gefunden haben", sagte er.