"Um Krieg gebettelt", wie Nordkorea behauptet, hat Donald Trump auf seiner Asienreise nicht. Abgesehen von einer kurzen Beschimpfung Kim Jong Uns als "klein und dick" hat der US-Präsident in den vergangenen Tagen auf aggressive Gesten im Korea-Konflikt weitgehend verzichtet. Ansonsten jedoch war seine fast zwei Wochen dauernde Asientour, die jetzt auf den Philippinen ihren Abschluss findet, eine seltsame und bedrückende Veranstaltung.

Zum Teil geht es dabei um die Persönlichkeit des Präsidenten. Es ist oft gesagt worden, dass Trump sprunghaft sei und zur Willkür neige. Aber noch nie hat man auf so großer Bühne die besondere Natur seiner Unzuverlässigkeit gesehen. In Peking trat Trump dem chinesischen Präsidenten Xi mit fast schon übertriebenem, an Bewunderung grenzendem Respekt gegenüber. Kurze Zeit später attackierte er in einer Rede in Vietnam Chinas Handelspolitik: ohne das Land beim Namen zu nennen, aber mit giftiger, feindseliger Schärfe.

Es ist normal, dass bei direkten Begegnungen zwischen Staats- oder Regierungschefs Differenzen nicht in voller, unangenehmer Klarheit ausgesprochen werden. Das ist Gipfeletikette. Doch sich in der Nähe tief zu ducken und aus der Ferne laut zu drohen, gleichsam als komplett gespaltene politische Persönlichkeit zu agieren, zwischen Feigheit und Frechheit schwankend – das ist etwas anderes. Wer so handelt, dem kann man nicht nur nicht trauen, sondern man wird ihn am Ende überhaupt nicht mehr ernst nehmen. 

Es ist dieser paradoxe und gespenstische Eindruck der Irrelevanz des immer noch mächtigsten Landes der Welt, den Trumps Reise zurücklässt. Es ist nicht so, dass es gegenwärtig in Washington keine Strategie für den Umgang mit Asien gäbe. Der Präsident hat sich während der vergangenen beiden Wochen sogar mehrfach auf sie bezogen: indem er mit auffälliger Hartnäckigkeit von der "indo-pazifischen" Region sprach, der sein Besuch gelte.

Wie passt "Indo-Pazifik" mit "America first" zusammen?

Vom "Indo-Pazifik" zu reden, ist diplomatischer Code. Es bedeutet, dass Ostasien (wo unweigerlich China die stärkste Macht ist) und Südasien (wo Indien dominiert) einen gemeinsamen geopolitischen Raum bilden – einen Raum, in dem China keine hegemoniale Stellung erwarten darf, sondern mit anderen wichtigen Staaten von Gleich zu Gleich verkehren muss. Aus amerikanischer Sicht sollen neben den USA vor allem Indien, Japan und Australien in dieser "indo-pazifischen" Großregion das aufstrebende China gemeinsam in seine Schranken weisen.

Schwer zu sagen, ob das eine erfolgversprechende Strategie sein kann. Sicher ist aber, dass sie sich nicht auf der Basis eines eng verstandenen Prinzips "America first" verfolgen lässt. Wenn Trump gegen die Vernichtung amerikanischer Arbeitsplätze durch die asiatische Konkurrenz wettert, dann fühlen sich indische Softwareingenieure genauso angegriffen wie chinesische Stahlproduzenten. Wenn er aus dem geplanten transpazifischen Handelsabkommen TPP aussteigt, dann wird das vor allem in Japan als Affront empfunden, wo man in dieses Projekt besonders viel diplomatische und politische Energie investiert hat. Ein egoistisches, im tieferen Sinne bündnisunfähiges Amerika kann China im "Indo-Pazifik" nicht in Schach halten.

Die nicht-amerikanischen Mitgliedsländer des TPP-Projekts haben unterdessen mitgeteilt, sie würden das Abkommen ohne die Vereinigten Staaten abschließen und seien dem Ziel nahe. Die vielversprechendste Nachricht während der Asienreise des US-Präsidenten hatte also nichts mit Donald Trump zu tun.