Wie bereits in der vergangenen Woche ist es in Argentinien bei Protesten gegen eine geplante Rentenreform zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen. Nach Angaben der regierungsnahen Tageszeitung Clarín wurden mindestens 160 Menschen verletzt, darunter über 80 Polizisten. Fast 60 Menschen wurden verhaftet.

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, bewarfen Protestierende vor Beginn des Demonstrationszuges vor dem Parlament in der Hauptstadt Buenos Aires die Sicherheitskräfte mit Steinen. Die Polizei feuerte Gummigeschosse ab und setzte Tränengas ein. Andere Demonstranten blieben friedlich, schlugen beim Protest auf Töpfen und stimmten Sprechchöre an.

Die Proteste richten sich gegen ein Gesetz, das die inflationsbedingte Anpassung von Pensionen verringern würde. Die Abstimmung darüber wurde verschoben, weil argentinische Gewerkschaften einen 24-stündigen Generalstreik ausriefen.

Argentiniens Präsident Mauricio Macri will mithilfe der Rentenreform das hohe Staatsdefizit senken und durch niedrige Geschäftskosten Anreize für Investitionen schaffen. Die Reform soll dem Haushalt Einsparungen in Höhe von 100 Milliarden Pesos, also etwa 4,8 Milliarden Euro, bringen. Gegner der Reform sehen in den Einsparungen Nachteile für Millionen von Rentnern.

Der Erzbischof von Rosario, Eduardo Eliseo Martín, forderte angesichts der Gewaltausbrüche die Bereitschaft zu einem Dialog. "Ich bin sehr konsterniert, diese Gewaltspektakel zu sehen", sagte Eliseo Martín dem Sender Radio 2. Dies könne nicht der Weg sein, die Widersprüche zu lösen. "Wir müssen die Probleme lösen, indem wir uns an einen Tisch setzen. Es gibt keinen anderen Weg."

Macri gehört der konservativen Partei Propuesta Republicana an und gilt als wirtschaftsliberaler Politiker. Er war einst Bürgermeister von Buenos Aires sowie Präsident des Fußballvereins Boca Juniors. 2016 löste er Cristina Fernández de Kirchner von der peronistischen Partei als Präsidentin ab. Der Unternehmer versprach der Bevölkerung im Wahlkampf, die Wirtschaft mithilfe von Reformen wiederzubeleben. Seine Reformpläne für die Steuer-, Renten-, Bildungs- und Arbeitspolitik wurden wiederholt von Arbeitnehmern und linken Parteien kritisiert.